Heute in der Mittagspause auf Zuruf von  den Artikel The End of Men aus dem Atlantic Magazine gelesen. Interessant.

Der Artikel zeichnet ein Bild einer Gesellschaft, in der “Der Mann” zunehmend marginalisiert wird und um seine Existenzberechtigung ringen muss. Das ist nicht witzig/comedy-artig beschrieben, sondern legt nüchterne Fakten dar. Insbesondere im beruflichen Umfeld tun sich die Männer immer schwerer. Die Anforderungen der sich veränderten Wirtschaftsfeld werden von Frauen besser erfüllt. An vielen Unis sind die Frauen in der Mehrzahl, haben schon an der Schule die besseren Noten und hinterher die besseren Abschlüsse. In prestigeträchtigen Berufen klettert der Frauenanteil langsam aber sicher auf 50% … und darüber. Zumindest im Durchschnitt werden auch die Gehaltsunterschiede immer geringer. Wenn Eltern das Geschlecht ihres Kindes wählen, entscheiden Sie sich vermehrt für Jungen.

Die Autorin Hanna Rosin legt sich nicht 100% fest, aber sie schlägt als Erklärungsmodell vor, dass es die sich gewandelte Wirtschaftswelt ist, in der die körperlichen Fähigkeiten einen immer geringere Rolle spielen und mehr und mehr intellektuelle und kommunikative Fähigkeiten zählen, die diese Entwicklung unvermeidlich machen.

Mir kamen beim Lesen ganz unterschiedliche Gedanken; ernsthafte und eher humorige. Es ist auf jeden Fall für jeden Mann und jede Frau – und insbesondere für Eltern – ein sehr spannender Text.

Zwischendurch las er sich für meine Begriffe allerdings etwas sehr euphorisch (man muss Frau Rosin aber konzedieren, dass sie das selbst relativiert), sowohl, was die Faktenlage angeht als auch deren Bewertung. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es zum Beispiel einige Weltregionen, in denen zunehmender Frauenmangel herrscht – weil Eltern das Geschlecht ihrer Nachkommen entsprechend wählen (Stichwort Gendercide). Und die Tatsache, dass immer mehr Frauen ihre Kinder auch ohne männliche (ideelle und monetäre Unterstützung) aufziehen ist garantiert ein Zugewinn an Freiheit (vor männlicher Bevormundung) aber auch eine sehr hohe Belastung.

Terasa Bücker hatte den Artikel ursprünglich auch im Zusammenhang mit dem Thema Dating erwähnt. Es ging da ursprünglich um ein Buch zum Thema “Stress mit dem Dating” und den Widerspruch zwischen den ganzen Dating-Ratgebern, die Frauen immer noch die Frauchen-Rolle ans Herz legen und der Realität, in der die Frauen nun mal keine Frauchen sind und nicht sein wollen. Auch hier könnte man sich ja durchaus fragen, wie die neuen Freiheiten und die Umkehrung der Machtverhältnisse sich im erotisch/romantischen Zusammenspiel der Geschlechter widerspiegelt und welche Auswirkungen es auf Wohlbefinden und Zufriedenheit der Beteiligten hat.

Diese Abwägung ist aber sicherlich sehr schwierig und kein Grund, die Zeiten des Patriarchats zurück zu sehnen.

Was mir nur am Rande leicht schmunzelnd auffiel: wenn es wirklich die – primär technologisch getriebene – Veränderung der Wirtschaftswelt ist, die die alten patriachalischen Verhältnisse hinwegfegt, dann waren die Männer ja gar keine Chauvinisten-Schweine!!? ;-) Sie waren nur ein paar Tausend Jahre lang das Geschlecht, dass den entsprechenden Anforderungen besser gewachsen war – und haben diese Lage vielleicht etwas egoistisch ausgenutzt.

Dann wollen wir doch alle mal hoffen, dass die Frauen ihre Machposition im kommenden Matriarchat nicht so fies missbrauchen werden – und ihnen etwas einfällt, was man mit den in der Wirtschaft eigentlich tendenziell unbrauchbaren Männern anfangen kann.