Momentan bin ich geradezu davon fasziniert, wie bei Google allmählich eins ins andere fällt und die Ganze deutlich größer wird als die Summe der Teile. Die Verzahnung von Google+ mit der Google Suche, anderen Google Diensten – und vermutlich in Bälde Google Advertising – ist geradezu genial.

Natürlich kenne ich die vollständige Google-Strategie genau so wenig wie alle anderen Außenstehenden, die nicht zu Googles Top-Management gehören. Aber, als gestern die neuen Google+ Pages das Licht der Welt erblickten und Google Direct Connect ankündigte, haben sich bei mir zumindest einige Bausteinchen zusammengefügt. Und ich muss sagen: Ich bin beeindruckt.

Too little, too late?

Die ersten Kritiken zu den Pages vielen vernichtend aus. Beispielhaft sei mal wieder der unnachahmliche Nico Lumma verlinkt: Und jetzt? Jetzt geht’s erst richtig los, würde ich sagen. Google Pages sind keine Offenbarung und viele Funktionen, die sich Unternehmen und Social Media Profis wünschen, sind verfügbar. Das, was übrig bleibt, sieht wie ein schwacher Abklatsch von Facebook Pages aus.

 

Direct Connect

Aber darum geht es hier nicht. Um zu verstehen, warum Google diese funktional sehr simplen Pages released hat, muss man die Kombination mit Direct Connect sehen:

When searching for a major brand, company, or cultural entity, try placing a ‘+’ in front of your query. When you use the ‘+’ operator before your search query, it lets us know that you want to find a Google+ page.

[...] as you type, you’ll see results returned that are exclusively Google+ pages. Complete your query, or select from among the page suggestions and you’ll be taken to the page you select.

[...] What’s really cool is that you can choose to add pages to your circles automatically every time you use Direct Connect. If you [...] arrive on a Google+ page via Direct Connect, you’ll see the option to automatically add pages to your circles [...]

Die Mehrzahl der Menschen beginnt jede Suche mit Google. Auch für Marken ist es sehr einfach, diesen Menschen beizubringen: “Tippe +MARKE und du kommst garantiert auf eine verifizierte Seite” Google wird hinter diese Eingabe in Zukunft sowohl die Page als auch die Website anbieten. Das ist sowohl für den Suchenden als auch die Marke eine ziemlich elegante Lösung.

Dabei geht es Google primär nicht darum, mehr Menschen nach Google+ zu treiben. Die Magie in diesem Ansatz liegt in der Verknüpfung zwischen Suche, Marke, Präferenzen und Marketing. Google erfährt bei der Suche das Interesse, aus dem Circlen und spätere Interaktion mit den Marken-Pages können Präferenzen abgeleitet werden und diese wiederum Marken (auch anderen?) für ihre Marketing-Aktivitäten angeboten werden.

Martin Weigert bei netzwertig.com sieht das skeptischer. Ich denke, hier wird einerseits die Ausgangsposition von Google (Search, Advertising) als auch die Macht der Symbole vergessen.

Faszinierender Nebeneffekt. Google versucht aus dem +MARKE eine Ikone zu formen, die wie die Ikone @NAME  oder Verben wie googeln und liken Teil unserer Kultur wird und untrennbar mit Google verbunden ist. Wenn das gelingt, wäre das – rein markentechnisch gesehen – genial!

 

Google+ ist kein “Angriff auf Facebook (die Plattform)”

Und was heißt das für den “Krieg” Google v.s Facebook? Wer Google+ als Plattform gegen Facebook zu verstehen versucht, springt zu kurz. Strategien gegen springen fast immer zu kurz und sind selten erfolgreich, weil sie dem “Gegner” die Initiative, das Gesetz des Handelns überlassen. Sie verharren in der Defensive, der Reaktion.

Google fährt einfach eine ganz andere Strategie: Sie agieren. Sie machen das weiter, was sie gut machen (Suche und Online Advertising). Sie versuchen, die Felder Identity und Sharing zu besetzen – aber nicht gegen Facebook sondern für ihr Kerngeschäft. Letzteres ist eine Gelddruckmaschine. Die wird mit Google+ auf noch höhere Drehzahl gebracht und gleichzeitig auf den offenen Flanken abgedeckt.

 

Nächstes Feld: Payment. Ich bin gespannt, wie Google das mit Google+ verknüpfen wird.

 

Lesenswert in diesem Zusammenhang sicherlich auch das Interview mit Brad Horowitz in WIRED , dieser Plus-Post vom ihm und dieser kleine Artikel.

Ich weiß nicht, wer diese Strategie entwickelt hat, aber … Respekt!