Als ich gestern in den News lesen konnte, dass die Anzahl sexueller Übergriffe auf Kinder in den letzten 20 Jahren deutlich zurück gegangen ist, war ich – auch als Vater eines 11jährigen Jungen – erst einmal erfreut.

Dann las ich die entsprechenden Beiträge und war verwundert, wie aggressiv einige Interessenverbände darauf reagierten. Siehe zum Beispiel hier und hier. ZITAT:

Denef [Vorsitzende des Netzwerkes Betroffener von sexualisierter Gewalt] bezweifelte, dass es überhaupt möglich ist, Statistiken über sexuellen Missbrauch zu erstellen. Solche Studien könnten daher nur falsch sein.

Klarer Tenor war ein teilweise geradezu zorniges “Quatsch. Kann nicht stimmen!” Interessant dabei war, dass niemand Zahlen hatte, die den vorläufigen Ergebnissen dieser aktuellen Studie widersprechen würden. Stattdessen beschränkte sich die Kritik auf angebliche methodische Mängel.

Ich kann Letztere fachlich nicht bewerten. Ich selbst habe auch keine anderen, besseren Zahlen, die einer der beiden Seiten recht geben würden. Aber ich wundere mich über diesen Aufschrei. Irgendwie klingt das alles sehr nach “Das kann doch nicht sein …” Und es “kann nicht sein”, weil das persönliche Empfinden – medial verstärkt – ein anderes ist.

Bitte nicht missverstehen: jeder Fall dieser Art ist einer zuviel. Auch die in der bewussten Studie genannten Zahlen sind kein Argument, ab sofort weniger gegen diese Schweinerein zu unternehmen. Aber was wäre so unmöglich an sinkenden Fallzahlen?

Das ist nicht nur bei diesem Thema so. Seit Jahren geht die Gewaltkriminalität zurück. Trotzdem sind sich die Bürger an den Stammtischen sicher, dass “alles immer schlimmer wird” und zuwenig Polizei auf den Strassen ist. Auch terroristische Akte sind in Deutschland etwas absolut exotisches – und doch “muss” unbedingt mehr gegen den Terrorismus getan werden.

Fakten gegen Gefühle. Im Zweifelsfall gewinnen immer die Gefühle …