Schon fast wieder aus der Mode gekommen, aber … hier noch mal ein interessanter Artikel über die Finanzkrise vom letzten Wochenende: Die nächste Stufe der Finanzkrise

Die Autoren stellen die These auf, dass es vier quasi-kanonische Auswege aus der Finanzkrise gäbe. Und sie legen danach recht überzeugend dar, warum alle vier Wege entweder mit teils dramatischen Risiken versehen sind oder mit Widerständen zu rechnen haben, die sie als kaum gangbar erscheinen lassen.

  1. Durch Verringerung der Staatsausgaben und Wirtschaftswachstum wird der Schuldenstand verringert und damit das Vertrauen der Anleger in die Bonität der staatlichen Schuldner langfristig wiederhergestellt. 
  2. Durch Steuererhöhungen wird die Einnahmesituation der Staatshaushalte verbessert und werden die Schulden reduziert. 
  3. Die staatlichen Schuldner stellen den Schuldendienst ein und verhandeln mit den Gläubigern über einen Zahlungserlass. 
  4. Die Staaten geben das Ziel der Geldwertstabilität auf und betreiben eine Inflationspolitik, durch die ihre Schulden entwertet werden

Obwohl die Autoren Soziologen sind (!) scheint mir diese Analyse nicht unzutreffend. Auch Wirtschaftswissenschaftler haben sich zudem ja in den letzten Jahren mit Analysen und Lösungskonzepten nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Der große Denkfehler scheint mir aber zu sein, dass es nur diese vier Auswege gäbe – die tatsächlich auch die einzigen sind, die seriöse Wissenschaftler, Banker und Politiker zu diskutieren gewillt sind.

Was diesen Artikel so schön macht, ist, wie er auch die aktuellen Krisenbewältigungsstrategien der politischen Klasse illustriert: es herrscht absolutes Inside-the-box Denken. Alle Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, das bestehende System irgendwie, egal wie zu erhalten und zu den Goldenen Jahren zurück zu kehren.

Niemand hat den Mut oder die Kraft, etwas gänzlich Neues zu wagen.

Mich erinnert das an den fast schon klassischen Konkursprozess vieler Unternehmen: das Management startet immer neue Programme zum Turnaround, windige Bilanztricks werden aus der Schublade geholt, Banken und Partner belogen, weil … man muss ja nur eben durch diese Krise und wird danach alles wieder gut machen, wenn das Geschäft wieder brummt. Und am Ende klappt doch alles zusammen und die Geschäftsführung steht wegen Konkursverschleppung (oder Schlimmerem) vor Gericht.

Dass das mit Politikern und Bankern selten passiert, ist vielleicht mit einer der Gründe, warum diese den Kopf so lange in der komfortablen Kiste lassen,

Photoillustration: purplemattfish