Gesten morgen rauschte ein ZEIT-Artikel durch meine Timeline, in dem von einem virtuellen Supermarkt in Südkorea berichtet wurde, in dem die Waren nur noch als Bilder an der Wand stehen. (Mehr dazu hier.) Gekauft wird mittels Mobiltelefon und QRCodes zur Identifikation des abgebildeten Produkts. Das hat Vorteile. Zum Beispiel kann man ein recht großes Warensortiment auf den Platzbedarf von zwei großen Plakaten reduzieren.

New Virtual Shop by Tesco South Korea

Schick aussehen tut das natürlich nicht und die Warenpräsentation lässt auch zu wünschen übrig. Trotzdem ist das so praktisch, dass ich mir sicher bin, dass wir das in Kürze an vielen Orten sehen werden – nicht nur in Südkorea.

Aber das ist sicherlich nicht die Zukunft des Einkaufens. Es ist immer noch zu dicht an den althergebrachten Mechanismen des letzten Jahrtausends. Wer schon einmal Shazaam in Aktion gesehen und einen Moment darüber nachgedacht hat, weiß, wohin die Reise wirklich geht. Für die ganz wenigen, die nicht wissen, wie Shazaam funktioniert:

Wenn ich irgendwo Musik höre, die mir gefällt, hole ich einfach mein Smartphone heraus, starte die Shazaam App und lasse diese 30 Sekunden lang „zuhören“. Shazaam ermittelt daraus den Titel des Stücks und bietet mir das auch gleich bei iTunes zum Kauf an. Das funktioniert recht zuverlässig. Shazaam ist recht gut im Erkennen von Musik …

Computer sind inzwischen aber auch recht gut im Erkennen von Bildern. (Tatsächlich sind die zu Grunde liegenden Algorithmen sehr ähnliche). Wenn ich also durch eine Straße gehe, oder eine Bar betrete, und das ist jemand, der einen Anzug, ein Kleid, ein Paar Schuhe trägt, dass mir gefällt, wird es in nicht allzu fernen Zukunft genügen, mein Smartphone zu zücken und kurz darauf zu richten. (Irgendwann kann ich mir das sicherlich schenken. Dann ist die Kamera in meiner Brille oder Kleidung integriert.) Und dann werde ich das Teil kaufen können. Selbstverständlich wird das mit Möbeln, Haushaltsgeräten u.ä. genau so gehen – warum auch nicht?

Nein, ich glaube nicht, dass diese Art des Kaufens physische Ladenlokale zügig ausrotten wird (auch Shazaam ist aktuell ja eher ein Nischenkanal für den Vertrieb von Musik). Aber auf Dauer werden sich dadurch die Einkaufsgewohnheiten – und die Produktpräsentation – radikal ändern. Warum sollte eine Einkaufs-Mall nicht daraus bestehen, dass hier (nicht übertrieben) gut aussehende Menschen flanieren, deren Job es ist, Kleidung zu tragen, die zum Kauf anregt.

Und … wozu überhaupt noch Werbespots im Fernsehen schalten, wenn jedes Produkt, dass in einem Film oder eine Serienfolge zu sehen ist, unmittelbar käuflich ist? Das gilt genauso für jedes Foto in einer Zeitschrift oder auch im Web. Product Placement ist heute noch ein Nischenkanal in der Werbung. Vielleicht ist es für manche Produktkategorien irgendwann der wichtigste.

Ganz so weit weg in der Zukunft muss das alles übrigens gar nicht einmal sein. Die Jahreszahl 2030 in der Headline stellt eine sehr konservative Schätzung dar. Services, wie Google Googles oder K Visual Search bzw. die dazugehörgen Apps sind da schon ziemlich weit. Und Advertising Age hat schon im Januar 2011 eine Artikel über diesen Ansatz (aus Sicht der Marketeers) gebracht. Diesen Anwendungen fehlt es aktuell aber noch an der Sicherheit in der Bilderkennung und den perfekten Datenbanken mit allen erdenklichen Produkten. Das ist aber nur eine Frage der Zeit.

Und, wenn diese Lösungen erst einmal perfektioniert sind, wird das interessante Konsequenzen für unsere Einkaufsgewohnheiten, Handel- und Vertriebsstrukturen haben. Vielleicht stirbt das Ladenlokal nicht aus – seine Bedeutung wird aber deutlich zurück gehen.

 

 

  • http://twitter.com/kliehm Martin Kliehm

    Spannend ist, dass auf dem Foto eine U-Bahn-Station abgebildet ist. In Seoul haben die U-Bahnen immer die gleiche Länge und halten immer an den selben Stellen, weswegen an den Bahnsteigen die rosa Felder zum Ein- und Ausstieg markiert sind. Offenbar sind die Glasflächen dazwischen nun für diesen virtuellen Store umfunktioniert worden: Einkaufen während man auf die U-Bahn wartet, das ist doch recht cool!

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Nicht nur “Einkaufen während man auf die U-Bahn wartet” … 

      IMMER und ÜBERALL Einkaufen! :)  Ubiquitous Commerce …

  • http://twitter.com/kliehm Martin Kliehm

    Spannend ist, dass auf dem Foto eine U-Bahn-Station abgebildet ist. In Seoul haben die U-Bahnen immer die gleiche Länge und halten immer an den selben Stellen, weswegen an den Bahnsteigen die rosa Felder zum Ein- und Ausstieg markiert sind. Offenbar sind die Glasflächen dazwischen nun für diesen virtuellen Store umfunktioniert worden: Einkaufen während man auf die U-Bahn wartet, das ist doch recht cool!

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Nicht nur “Einkaufen während man auf die U-Bahn wartet” … 

      IMMER und ÜBERALL Einkaufen! :)  Ubiquitous Commerce …

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