PR, Werbung aber auch Journalismus haben es nicht leicht im Zeitalter des Netzes. Es gibt sogar einige, die meinen, diese Branchen wären im Krieg – miteinander, gegeneinander, gegen die Konsumenten, whatever. Das ist Quatsch – so knackig solche Metaphern auch immer erscheinen mögen.

Die gegenseitigen Animositäten haben viel damit zu tun, dass sich in all diesen Feldern durch das Netz viel ändert – viel zu viel, als des es noch bequem ist. Das macht Angst. Und Angst macht gereizt. Ein schönes Beispiel für den gereizten Tonfall war der lächerliche Artikel “Tonight, we dine in hell”auf Techcrunch. Der Autor beklagt sich darüber, dass er etwas Tolles aufgedeckt hätte (einen “Krieg” von Facebook gegen Apple) und die pösen, pösen PRler das nun alles unter den Tisch kehren wollen.  Den guten Mirko Lange hat das dazu gebracht, sich einmal mehr über das schlechte Image der PRler zu beklagen. Verständlich, aber …

Was gerade passiert, ist etwas ganz normales in Zeiten des Umschwungs (siehe oben). Bedauerlich ist höchstens, das alle Beteiligten die Notwendigkeit für den Umschwung vorwiegend bei “den anderen” sehen. Noch schlimmer sind die, die sich auf ein moralisches Ross schwingen und anderen unethischer Verhalten vorwerfen. Who cares? Es geht in erster Linie nicht darum, ob etwas unethisch ist, sondern ob es effektiv ist. Und die alten Verhaltensmuster der PR, der Werbung und auch des Journalismus sind es nicht mehr. Ganz nüchtern betrachtet sieht die Sache so aus:

Das Ziel, Menschen zu beinflussen haben viele. Das machen Werber, PRler, Journalisten (wer etwas anderes behauptet, verkennt die Realität) und jeder andere macht das privat und beruflich zumindest gelegentlich. Das ist völlig OK und nichts verwerfliches – solange dabei nicht verarscht und gelogen wird. Letzteres (nicht lügen und verarschen) ist für einige der Beteiligten ein Paradigmenwechsel. Da müssen sie sich erst noch dran gewöhnen. Umgewöhnen fällt immer schwer.

Wichtig: Lügen und Verarschen aus dem Repertoire der Arbeitsmittel zu streichen, ist nicht aus moralisch/ethischen Überlegungen heraus notwendig. Man sollte es deshalb lassen, weil es heutzutage (dank Internet) immer rauskommt – immer! Und dann hat es eine kontraproduktive Wirkung. Merke: unabhängig davon, wie man das moralisch bewertet: nicht machen!

Da in den Ausbildungseinrichtungen aber noch alte Säcke/innen arbeiten, die glauben, dass sie mit sowas durchkommen, wenn sie es nur schlau genug anstellen, wird es noch eine Weile dauern, bis sich diese Erkenntnis flächendeckend durchgesetzt hat. So lange knirscht es halt zwischen den Beteiligten – und ihrer “Zielgruppe”.