Kurz vor dem langen Wochenende rauschte mir ein ungewöhnlich emotionaler Post von Martin Recke (SinnerSchrader) auf dem Fischmarkt durch die Timeline. Tatsächlich regt sich Martin Recke völlig zu recht auf über eine Pressemitteilung des BVDW mit dem reißerischen Titel BVDW WARNT VERBRAUCHER UND HÄNDLER VOR BITCOINS ALS ZAHLUNGSMITTEL. Diese Pressemitteilung enthält nicht nur eine Reihe völlig unkritisch widergekäuter Ansichten über das Bitcoin-Projekt, die teils falsch, teils übertrieben sind.

Noch viel merkwürdiger ist es, dass sich der BVDW, ein Lobbyisten-Verband der “digitalen Wirtschaft”, in dem vor allem Online-Marketing-Unternehmen stark vertreten sind, bemüßigt fühlt, gegen Bitcoin Stellung zu beziehen. Das Bitcoin-Projekt bedroht die Mitgliedsunternehmen (sofern sie nicht im Zahlungsabwicklungsgeschäft sind) in keinster Weise. Im Gegenteil: für das eine oder andere Unternehmen der digitalen Wirtschaft könnten sich hier neue Chancen ergeben.

Darüber entspann sich ein kurzer Twitter-Dialog zwischen Martin, mir und Harald Fortmann (Ex-Kollege und Vorstand im BVDW), der aber aufgrund der Plattform Twitter zwangsläufig oberflächlich blieb. Heute morgen überkam mich deshalb das Bedürfnis, noch einmal kurz zusammen zu tragen, warum ich die Haltung des BVDW nur als technophob, schlecht informiert oder liebedienerisch gegenüber der Politik verstehen kann. Denn Bitcoin stellt momentan sicherlich keinerlei “Gefahr” für Verbraucher, Online-Händler oder “unsere Gesellschaft” dar. Zumindest gibt es weitaus manifestere Gefahren für diese drei Parteien, deren Gefährdungspotential um den Faktor 100 oder 1000 höher liegt – zu denen ich bislang keinerlei Warnung des BVDW gesehen habe.

Für alle die, die nicht wissen, was Bitcoins sind, gibt es hier eine schöne deutschsprachige Zusammenfassung bei Netzpolitik.org. Wem die zu “politisch” ist: hier gibt es eine ebenfalls recht kompakte bei GigaOm (allerdings auf englisch). Kurz gefasst: Bitcoins sind eine rein digitale Währung, die unabhängig von Nationalstaaten und Banken existiert. Momentan kann man mit Bitcoins noch nicht wirklich viel bezahlen und es gibt auch noch nicht allzu viele.

Ohne aber allzu tief auf Details eingehen zu wollen, hier die meiner Ansicht nach wichtigsten Fakten zum Thema Bitcoins und den damit verbundenen “Gefahren”.

  1. Bitcoins sind nicht virtueller als andere Währungen auch
  2. Mit Bitcoins sind Steuerhinterziehung und Geldwäsche nicht einfacher als mit Bargeld
  3. Anonym ausgeführte Finanztransaktionen – wesentliches Merkmal von Bitcoins – sind keine Bedrohung der Gesellschaft sondern selbstverständliches Bürgerrecht in allen freiheitlichen Gesellschaften
  4. Was Nationalstaaten und Banken an Bitcoin wirklich stört, ist einmal mehr … “Kontrollverlust”

Zu den Punkten im Einzelnen:

1. Bitcoins sind nicht virtueller als andere Währungen

Der Begriff “virtuelles Geld” ist extrem irreführend. Seitdem wir nicht mehr mit Edelmetallmünzen zahlen, deren Wert gleich dem Materialwert ist – und das ist lange her – ist Geld “virtuell”. Auch die weit verbreitete Ansicht, dass Staaten die im Umlauf befindliche Geldmenge mit “Goldreserven” absichern würden, ist … spätestens seit 1971 falsch. Der Wert von Geld ergibt sich in erster Linie aus dem Vertrauen, dass man damit bestimmte Dinge in einem bestimmten Menge kaufen (eintauschen) kann.

Bitcoins sind nicht weniger real oder virtuell als Dollar, Euro oder Renminbi. Größere Guthaben sind heutzutage in jedem Fall eine bestimmte Anordnung von Daten in einem Computersystem. Und der “reale” (?) solcher Guthaben ergibt sich in erster Linie aus dem Glauben an ihren künftigen Wert.

2. Bitcoins öffnen Steuerhinterzeichnung und Geldwäsche nicht Tür und Tor

Eine der wichtigsten Eigenschaften von Bitcoins ist ihre Anonymität. Ich kann über eine Email- oder andere digitale Verbindung Bitcoins erhalten und habe hinterher keine Möglichkeit, festzustellen, wem sie zuvor gehörten. Das ist bei Online-Überweisungen nicht der Fall. Diese lassen sich deshalb – speziell durch staatliche Institutionen – besser kontrollieren.

Andererseits unterscheiden sich Bitcoins in dieser Hinsicht nicht von Bargeld. Auch einem 20-Euro-Schein ist ja nicht anzusehen, wem er zuvor gehörte. Bargeld ist heute die größte Schwachstelle für die staatliche Kontrolle von Geldtransfers. Nimmt man die Argumentation des BVDW und anderer Bitcoin-Kritiker ernst, sollte man Bargeld besser unverzüglich verbieten. Die Staaten lösen dieses Problem heute aber nicht durch ein Verbot von Bargeld sondern durch gesetzliche Regelungen für Aus- und insbesondere Einzahlungen größerer Bargeldmengen. Es spricht nichts dagegen solche Regelungen auch für Bitcoins oder ähnliche Währungen einzuführen.

Das Gesamtvolumen aller Bitcoins die jemals im Umlauf sein können, ist zudem auf ca. 21 Millionen beschränkt. Selbst, wenn ein Bitcoin dauerhaft 20 Euro wert wäre – was unwahrscheinlich ist – entspräche das einem Geldvolumen von nicht mal 0,5 Milliarden Euro – weltweit! Das ist kaum ein Volumen, das die internationale Drogenmafia zu einer Abkehr vom Dollar bewegen dürfte.

Das der BVDW zum aktuellen Zeitpunkt, da es kaum größere Mengen von Bitcoins gibt und man lange suchen muss, um überhaupt irgendwo einen Online-Shop zu finden, der überhaupt Bitcoins zur Bezahlung akzeptiert, davor warnt, dass Bitcoin-Guthaben durch staatliche Verbote wertlos werden könnten, ist bestenfalls amüsant. Praktisch darf man sich auch fragen, wie ein solcher Verbot durchgesetzt werden kann, da der Staat kaum Möglichkeiten hat, die Dateien, die Bitcoins ja sind, einzuziehen.

 

3. Anonyme Bezahlsysteme sind keine Bedrohung der Gesellschaft

Das zumindest in absehbarer Zeit eher geringe Volumen von Bitcoins lässt auch die Befürchtung des BVDW, dass unsere Wirtschaft den Bach heruntergeht, weil Nationalregierungen keine Kontrolle mehr über die Geldmengenpolitik haben, lächerlich erscheinen. Ob in der deutschen Wirtschaft in den nächsten Jahren zusätzlich Bitcoins im Wert von 1 oder 2 Milliarden Euro kursieren oder nicht … hat keine messbaren volkswirtschaftlichen Konsequenzen.

Ob die Geldmengen- und Fiskalpolitik in der EU oder den USA der Wirtschaft nachhaltig förderlich ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber das will ich hier nicht einmal diskutieren.

Das (sicherlich ungewollt) schönste Zitat in diesem Zusammenhang aus der BVDW-PM ist das folgende:

Die reale Wirtschaft darf nicht zum Monopoly-Spiel werden.

Ich empfehle den Autoren dieses Satzes, sich einmal 5 Minuten zurückzulehnen und über die Funktionsmechanismen von Optionsgeschäften und anderen Derivaten nachzudenken.

Anonyme Bezahlsysteme sind gut und wichtig. Die Regierungen haben heute keine Möglichkeit, jede wirtschaftliche Transaktion zu tracken. Und es gibt auch keinen Grund, warum sie das können sollten. Es gibt durchaus legale Gründe, weshalb ich nicht unbedingt möchte, dass dutzende von privatwirtschaftlichen und staatlichen Organisationen stets genau wissen, was ich wann für welche Waren bezahlt habe. Bitcoins übertragen die bestehende Möglichkeit zu anonymen Transaktionen lediglich in die digitale Welt.

 

4. Die Ablehnung von Bitcoin und ähnlichen Projekten ist erneut Ausdruck der Angst vor “Kontrollverlust”

Bitcoins sind in der heutigen Form und mit dem in den nächsten Jahren zur Verfügung stehenden Volumen volkswirtschaftlich irrelevant. Allein die Möglichkeit, eine international funktionierende Währung zu schaffen, über die die heutigen Nationalstaaten keine oder eingeschränkte Kontrolle haben, verursacht bei den Vertretern dieser Staaten aber ein ein ungutes Gefühl.

Geld ist Macht. Und die Möglichkeit, neues Geld zu erschaffen, ist eine besonders große Macht. Diese Macht reservieren deshalb die Nationalstaaten heute für sich. In früheren Zeiten war es ein “Privileg”, dass die Feudalherren auch an einen untergeordneten Fürsten oder eine Stadt delegierten – und dieser/em damit einen ordentlichen Machzuwachs verschafften.

Neben dem offiziellen Argument “Geldpolitik ist Stabilitätspolitik” gibt es also ganz handfeste, machtpolitische Gründe für die Nationalstaaten, niemand Anderem das Recht, Geld zu “prägen”, zuzugestehen. Pseudo-Währungen werden deshalb nur in kleinem Umfang (wie zum Beispiel in Spielen oder Bonuskarten-Systemen) geduldet. Sobald die Bedeutung des nicht staatlich geschaffenen Geldes steigt, hört die Toleranz auf. Die chinesische Regierung hat beispielsweise seit Jahre 2007 damit begonnen, die über die Online-Plattform TenCent generierten QQ Coins stark zu reglementieren, als diese sich abseits von TenCent zu einem bequemen Zahlungsmittel für Kleinbeträge entwickelten. Für ein totalitäres Regime ist das … soweit ganz normal.

In einer freiheitlichen Gesellschaft sollte man sich aber zumindest fragen, ob das längst bestehende Recht zu anonymen Finanztransaktionen nicht auch in der Online-Welt weiter bestehen sollte. Dem inzwischen geradezu reflexartigen “Verbieten!”-Aufschrei von sich in ihrem Machtmonopol beschränkt fühlenden Politikern unreflektiert das Wort zu reden, halte ich jedenfalls nicht für sinnvoll.

Und es wundert mich, welche Veranlassung der BVDW dazu gesehen hat. Ich will mal nicht hoffen, dass PayPal da die treibende Kraft war.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich habe nichts gegen den BVDW. Ich denke, dass diese Organisation eine wichtige und ehrenvolle Aufgabe innerhalb unserer Gesellschaft (und Wirtschaft) ausübt – auch und gerade, weil sie notwendigerweise parteiisch ist. Mir liegt es fern, die Arbeit dieser Organisation grundsätzlich zu kritisieren. Hier geht es lediglich um eine Pressemitteilung, mit deren Tenor ich überhaupt nicht übereinstimme und deren Zustandekommen mir völlig rätselhaft ist.

  • myBitcoin.de

    Hallo,

    der Artikel hat leider Fehler.
    Zum Beispiel:
    “Das Gesamtvolumen aller Bitcoins die jemals im Umlauf sein können, ist zudem auf ca. 21 Millionen beschränkt. Selbst, wenn ein Bitcoin dauerhaft 20 Euro wert wäre – was unwahrscheinlich ist – entspräche das einem Geldvolumen von nicht mal 0,5 Milliarden Euro – weltweit!”

    Das stimmt so nicht, da Bitcoins bis auf 8 Nachkommastellen geteilt werden können, daher wäre die Grenze von 0,5 Mrd. Euro nicht mehr richtig.

    Grüße,
    myBitcoin.de

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Wenn der Umtauschkurs für 1,0 Bitcoin gleich 20 EUR ist, ergibt dies ein Gesamtvolumen von umger. 420 Mio. EUR für 21 Mio Bitcoins – was nicht viel ist.

      Bis hierhin kann ich keinen “Fehler” entdecken. :)

      Und wenn der Wechselkurs bei 1:50 läge, wäre es eben eine runde Milliarde.

      Wenn Deine/Ihre Annahme war, dass ein 0,00000001 Bitcoin einen Umtauschkurs von mehr als 0,00000021 EUR hat, wäre der umgerechnete Wert aller möglichen Bitcoins sicherlich größer. Aber das war nicht die Annahme meiner Berechnung.

      Ich denke immer noch, dass das Gesamtvolumen aller denkbaren Bitcoins auf absehbare Zeit nicht groß genug sein wird, um auf der volkswirtschaftlichen Ebene meßbare Auswirkungen zu haben. Das mag sich irgendwann, vielleicht mit anderen digitalen Währungsmodellen, ändern. Momentan volkswirtschaftliche Gefahren hinter dem “Projekt Bitcoin” zu sehen, ist sbsurd.

  • myBitcoin.de

    Hallo,

    der Artikel hat leider Fehler.
    Zum Beispiel:
    “Das Gesamtvolumen aller Bitcoins die jemals im Umlauf sein können, ist zudem auf ca. 21 Millionen beschränkt. Selbst, wenn ein Bitcoin dauerhaft 20 Euro wert wäre – was unwahrscheinlich ist – entspräche das einem Geldvolumen von nicht mal 0,5 Milliarden Euro – weltweit!”

    Das stimmt so nicht, da Bitcoins bis auf 8 Nachkommastellen geteilt werden können, daher wäre die Grenze von 0,5 Mrd. Euro nicht mehr richtig.

    Grüße,
    myBitcoin.de

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Wenn der Umtauschkurs für 1,0 Bitcoin gleich 20 EUR ist, ergibt dies ein Gesamtvolumen von umger. 420 Mio. EUR für 21 Mio Bitcoins – was nicht viel ist.

      Bis hierhin kann ich keinen “Fehler” entdecken. :)

      Und wenn der Wechselkurs bei 1:50 läge, wäre es eben eine runde Milliarde.

      Wenn Deine/Ihre Annahme war, dass ein 0,00000001 Bitcoin einen Umtauschkurs von mehr als 0,00000021 EUR hat, wäre der umgerechnete Wert aller möglichen Bitcoins sicherlich größer. Aber das war nicht die Annahme meiner Berechnung.

      Ich denke immer noch, dass das Gesamtvolumen aller denkbaren Bitcoins auf absehbare Zeit nicht groß genug sein wird, um auf der volkswirtschaftlichen Ebene meßbare Auswirkungen zu haben. Das mag sich irgendwann, vielleicht mit anderen digitalen Währungsmodellen, ändern. Momentan volkswirtschaftliche Gefahren hinter dem “Projekt Bitcoin” zu sehen, ist sbsurd.

  • Peter Piksa

    In dem Artikel wird die Behauptung aufgestellt, Bitcoin sei anonym, was jedoch leider nicht der Fall ist. Man kann nach meinem Wissensstand bestenfalls eine Pseudonymisierung, nicht aber eine Anonymisierung seiner Identität erreichen.

    Da jede einzelne Transaktion inklusive Versender und Empfänger in einem ewigen über das gesamte Teilnehmernetz populierten Protokoll gespeichert wird, lässt sich jede Transaktion, wenngleich bisweilen mit großem Aufwand, nachvollziehen. Unter der Adresse http://www.blockexplorer.com kann man sich das zu jedem Zeitpunkt selbst ansehen.

    Das Problem entflechtet sich nun dadurch, daß man ja beispielsweise irgendwann einmal seine Bitcoinadresse auf seine Website schreiben möchte, um auf diesem Wege eine Zahlung zu erhalten. Somit sind aber alle Transkationen der Neugierde anderer ausgesetzt, wodurch der Mythos der Anonymität entkräftet ist.

    Einen sehr hörenswerten, Podcast zum Thema Bitcoin haben Andreas Bogk und Tim Pritlove kürzlich gemacht. Hier wird auch auf die technischen Grundlagen eingegangen:
    http://chaosradio.ccc.de/cre182.html

    PS: Ich empfand diese (Kurzschluß-)Reaktion des BVDW ebenfalls sehr amüsant. ;-)

    Viele Grüße
    Peter Piksa

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      @karpfenpeter Das Bitcoin-Zahlungen anonym sind, ist scheinb. ein weit verbreitetes Missverständnis, dem ich aufgesessen bin. Ooops! Danke für die notwendige Korrektur.

      Für mich hat das zwei Aspekte:
      1) Ich finde, Zahlungen sollten anonym möglich sein :)
      2) Wenn die Zahlungen getraced – und zumindest willentlich protokolliert/belegt werden können, ist die Angst vor Geldwäsche und Steuerhinterziehung ja noch absurder als bei meinen vorigen Kenntnissstand. 

      Frage: muss ich meine Bitcoin-Adresse öffentlich machen, um Zahlungen empfangen zu können? Ist das technisch unumgänglich?

      • Peter Piksa

        Nein, eine Bitcoin-Adresse muss nicht zwingend der Weltöffentlichkeit bekanntgegeben werden. Wir könnten uns beispielsweise jeden Tag unzählige Zahlungen hin- und herschicken, die auch dank blockexplorer.com für jedermann einsehbar, aber eben nicht unseren Identitäten zuordenbar wären.

        Sobald jedoch bekannt würde, daß Peter Piksa sich hinter X und Markus Breuer sich hinter Y verbirgt, wäre die Offenlegung perfekt. Man muss sich hierbei also bewusst machen, daß Bitcoin im Vergleich mit Bargeld einen entscheidenden Nachteil (bzw. Vorteil (das hängt von der Sichtweise ab)) hat: Ewige lückenlose Nachvollziehbarkeit inkl. Kopplung an Pseudonym/Identität.

        • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

          Ich befürchte, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Die Intention meiner Frage war: Muss ich von jemandem, dem ich Bitcoins zukommen lassen will, seine Bitcoin-Adresse kennen? Oder kann man z.B. auch Dateien, die das “Geld” enthalten, an jemand Unbekannten versenden?

          Sorry, wenn ich Dich frage, wo ich die Antwort sicher auch in irgendwelchen Online-Dokus finden könnte. Bin halt ein bequemer Mensch.

  • Peter Piksa

    In dem Artikel wird die Behauptung aufgestellt, Bitcoin sei anonym, was jedoch leider nicht der Fall ist. Man kann nach meinem Wissensstand bestenfalls eine Pseudonymisierung, nicht aber eine Anonymisierung seiner Identität erreichen.

    Da jede einzelne Transaktion inklusive Versender und Empfänger in einem ewigen über das gesamte Teilnehmernetz populierten Protokoll gespeichert wird, lässt sich jede Transaktion, wenngleich bisweilen mit großem Aufwand, nachvollziehen. Unter der Adresse http://www.blockexplorer.com kann man sich das zu jedem Zeitpunkt selbst ansehen.

    Das Problem entflechtet sich nun dadurch, daß man ja beispielsweise irgendwann einmal seine Bitcoinadresse auf seine Website schreiben möchte, um auf diesem Wege eine Zahlung zu erhalten. Somit sind aber alle Transkationen der Neugierde anderer ausgesetzt, wodurch der Mythos der Anonymität entkräftet ist.

    Einen sehr hörenswerten, Podcast zum Thema Bitcoin haben Andreas Bogk und Tim Pritlove kürzlich gemacht. Hier wird auch auf die technischen Grundlagen eingegangen:
    http://chaosradio.ccc.de/cre182.html

    PS: Ich empfand diese (Kurzschluß-)Reaktion des BVDW ebenfalls sehr amüsant. ;-)

    Viele Grüße
    Peter Piksa

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      @karpfenpeter Das Bitcoin-Zahlungen anonym sind, ist scheinb. ein weit verbreitetes Missverständnis, dem ich aufgesessen bin. Ooops! Danke für die notwendige Korrektur.

      Für mich hat das zwei Aspekte:
      1) Ich finde, Zahlungen sollten anonym möglich sein :)
      2) Wenn die Zahlungen getraced – und zumindest willentlich protokolliert/belegt werden können, ist die Angst vor Geldwäsche und Steuerhinterziehung ja noch absurder als bei meinen vorigen Kenntnissstand. 

      Frage: muss ich meine Bitcoin-Adresse öffentlich machen, um Zahlungen empfangen zu können? Ist das technisch unumgänglich?

      • Peter Piksa

        Nein, eine Bitcoin-Adresse muss nicht zwingend der Weltöffentlichkeit bekanntgegeben werden. Wir könnten uns beispielsweise jeden Tag unzählige Zahlungen hin- und herschicken, die auch dank blockexplorer.com für jedermann einsehbar, aber eben nicht unseren Identitäten zuordenbar wären.

        Sobald jedoch bekannt würde, daß Peter Piksa sich hinter X und Markus Breuer sich hinter Y verbirgt, wäre die Offenlegung perfekt. Man muss sich hierbei also bewusst machen, daß Bitcoin im Vergleich mit Bargeld einen entscheidenden Nachteil (bzw. Vorteil (das hängt von der Sichtweise ab)) hat: Ewige lückenlose Nachvollziehbarkeit inkl. Kopplung an Pseudonym/Identität.

        • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

          Ich befürchte, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Die Intention meiner Frage war: Muss ich von jemandem, dem ich Bitcoins zukommen lassen will, seine Bitcoin-Adresse kennen? Oder kann man z.B. auch Dateien, die das “Geld” enthalten, an jemand Unbekannten versenden?

          Sorry, wenn ich Dich frage, wo ich die Antwort sicher auch in irgendwelchen Online-Dokus finden könnte. Bin halt ein bequemer Mensch.