Heute morgen gab es eine interessante Umfrage auf der Facebook Fanpage (sic!) von Mashable:

Do you trust Facebook or Google more when it comes to privacy issues?

Dahinter reihten sich viele, viele Antworten von Mashable-Lesern. Der Tenor ging eher in die Richtung “keinem von beiden”, was man als zynisch, realistisch oder patzig auslegen kann. Es gibt sicherlich gute Gründe für diese Ansicht. Als ich mir selbst diese Frage stellte, kam ganz spontan die Antwort: “Google”.

Ich habe mich dann in der Badewanne gefragt, wieso das eigentlich so ist. Google sammelt ebenfalls eine Menge Daten, patzt gelegentlich beim Thema Datenschutz (siehe das Buzz-Disaster). Und trotzdem habe ich bei Google grundsätzlich ein besseres Gefühl. Ich denke, das hat ursächlich mit einer unterbewussten – und selbstverständlich völlig subjektiven – Bewertung des Charakters der Firma zu tun.

Google

Ich denke, dass viele der Personen im Top-Management von Google – insbesondere die beiden Gründer – grundsätzlich von moralischen Prinzipien geleitet sind. Diese Prinzipien mögen nicht in jedem Fall die meinen sein. Oft überwältigt die Begeisterung für die Möglichkeiten, die die gigantische Google-Maschine bietet, Vorsicht und Bedenken und es passieren Dinge wie der Buzz-Launch. Aber es steckt viel Idealismus – und einiges an Idealen – in der Firma. Meines Erachtens zeigt sich das unter anderem in der komplizierten Geschichte Googles in China. Selbstverständlich ist das Riesenmarkt, den das Unternehmen zu gerne für sich erschlossen hätte. Zensur zu unterstützen widerspricht aber der Firmenkultur diametral. Diese internen Konflikte sind deutlich nach außen getreten, haben alle Entscheidungen beeinflusst und letztendlich dazu geführt, dass Google in China heute keine große Rolle mehr spielt. Hier haben die Prinzipien über die Gier nach Größe gesiegt.

Facebook

Bei Facebook habe ich das exakt gegenteilige Gefühl. Die Vorwürfe, die in der spektakulären Klage gegen Zuckerberg im Zusammenhang mit der Gründung der Firma erhoben werden, sind unbewiesen und es ist zweifelhaft, dass diese Fragen jemals endgültig geklärt werden. Ein Vergleich unter Vereinbarung absoluter Vertraulichkeit ist wahrscheinlicher. Wer sich alle die verfügbaren Informationen ansieht, nicht nur die Aussagen der Klägers Paul Ciglia in diesem Prozeß, sondern auch von anderen Geschäftspartnern aus den frühen Jahren, kommt um den Eindruck nicht herum, dass Facebook-Gründer Zuckermann ein ziemlich skrupelloser junger Mann ist.

Auch das heutige Unternehmen schreckt nicht vor Tricksen und Täuschen zurück. Der in den letzten Tagen offensichtlich gewordene Versuch, Google mit einer Flüsterkampagne anzuschwärzen ist nur ein besonders spektakuläres Beispiel für die Dreistheit, mit der das Unternehmen seine Interessen durchzusetzen versucht.

Auffällig ist auch die bigotte Haltung, mit der das Unternehmen durch immer raffiniertere Features versucht, immer mehr persönliche Daten über seine Anwender einzusammeln. Dazu gehört zum Beispiel der Klassiker, das Adreßbuch anderer Dienster (zum Beispiel von GMail auszulesen), wenn dies der Anwender wünscht (und ihn sanft dazu aufzufordern. Versucht Google umgekehrt das Selbe, verweigert es Facebook unter Verweis auf Datenschutzbedenken!  Hier fällt es schwer, ein Grinsen zu unterdrücken.

Der im letzten Jahr eingeführte und immens erfolgreiche LIKE-Button von Facebook ist zudem das leistungsfähigste Spionagenetz, das es im Web gibt. Die Informationen jedes Facebook-Benutzers, der irgendeine Seite mit einem Like-Button  besucht, werden an Facebook weiter gegeben. Egal ob der Benutzer diesen Button benutzt oder nicht.

Ich bin nun beileibe kein Gegner des Datensammelns. Tatsächlich denke ich, dass das Sammeln von Informationen über Benutzerverhalten sinnvolle Dienste ermöglicht, die auch diesem Benutzer zugute kommen. Aber Facebook sammelt diese Daten auf einer absolut persönlichen Ebene. Sie identifizieren ganz konkret Markus Breuer, keinen User mit einer abstrakten Nummer. Und die Tatsache, dass der Like-Button ein solcher universeller Sensor ist, wurde erst dann von Facebook veröffentlich, als Dritte diese Vermutung äußerten. Es gibt mehr Beispiele …

Fazit?

Vielleicht bin ich wirklich ein naiver Bauernjunge. Aber bei Facebook habe ich kein gutes Gefühl, was die Absichten des Unternehmens angeht. Google hingegen macht sicherlich Fehler und selbstverständlich vertritt das Unternehmen seine Geschäftsinteressen gelegentlich auch einmal “robust” gegenüber Wettbewerbern. Aber bislang zumindest habe ich den Eindruck, dass das Firmenmotto “Don’t be evil” eine im Unternehmen akzeptierte Grenze für das eigene Handeln darstellt.

 

  • Jörg Reinhardt

     Da muss man sich gar nicht auf unbestimmte Bauchgefühle und Persohneneinschätzungen Unbekannter einlassen (obwohl meine Bauchgefühle und Einschätzungen das selbe sagen).
    Es ist einfach Systemisch durch die Geschäftsmodelle bedingt.

    Datenschutz:

    Google Ads werden im gesamten Internet geschaltet, damit Sie funktionieren braucht Google Userdaten, aber das genannte Geschäftsmodell funktioniert ganz hervorragend mit annonyminsierten Daten. In Anbetracht möglicher Datenpannen und der bereits vorhandenen großen Angst der User vor Datenverlust sind Sie sogar gut beraten sich die größt mögliche Mühe bei der annonymisierung zu geben um Ihr vorhandenes Geschäftsmodell nicht zu gefährden.

    Facebook hingegen will alle Inhalte und User in Ihren walled Garden bringen. Egal wie groß Facebook auch werden mag, es bleibt immer kleiner als “das Internet” um mit Google konkurrieren zu können MUSS Facebook Userdaten wesentlich direkter an Dritte verkaufen, um bei kleinerer erreichter Menge an Usern den selben Werbeeffekt und Anzeigenumsatz/Wert zu erzeugen.

    Eigene Kontrolle über Daten:
    Google Adds gibt es überall… Dann nimm halt Deine Daten mit in den Dienst eines Konkurrenten… so what!? Auch die Seite des Google Konkurrenten wird von Google gecraewled (außer es handelt sich um Facebook) und mit Google Ads beworben. Google hat keinen Grund Uns die Kontrolle über Unsere Daten zu nehmen.
    Für Facebook ist die Zwangsbindung der User das A & O, sonst würde Ihnen unweigerlich das Myspace Schicksal drohen.

    Das könnte man jetzt noch viel weiter ausbreiten und im Detail beleuchten, aber ich glaube eben das es völlig wurscht ist wie moralisch/unmoralisch, gierig, oder integer Einzelpersonen in der Führung der jeweiligen Unternehmen sich verhalten, Facebook wird Uns immer abzocken und Google passiert das höchstens aus versehen, weil beide jeweils nur so weiter viel Geld verdienen können.

    Man könnte auch sagen, Google kann sich Geschäftsmodell bedingt Moral leisten und ist aus Image Gründen auch sehr gut beraten das zu tun, während bei Facebook Moralische Erwägungen und finanzielle Interessen zwangsweise im Dauerkonflikt stehen..

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Danke! Dass Förderung von offenem Netz (und “Trust”) zu Google’s Geschäftsgrundlage gehört, habe ich vor ein paar Jahren schon mal selbst gebloggt.

      Und Du hast sicherlich recht, dass man kein Bauchgefühl “braucht”, um diese Bewertung vorzunehmen. Ich habe trotzdem ganz bewusst über GEFÜHLE geredet, weil Vertrauen nicht rational begründet ist.

      Tatsächlich gibt es – sehr glaubhafte – Untersuchungen darüber, dass nahezu keine Entscheidung rational ist, sondern Menschen nahezu jede Entscheidung “aus dem Bauch” (also spontan und ohne bewußten Denkvorgang) treffen. Die ganzen Begründungen, mit denen wir unsere Entscheidungen unterlegen, sind typischerweise nachträgliche “Rationalisierungen” und keine Beschreibungen eines tatsächlich in unserem Gehirn stattgefundenen Prozesses ;-)  

      (Aus der Rubrik “Nutzloses Allgemeinwissen, das höchsten am Rande zur Diskussion beiträgt”).

  • Jörg Reinhardt

     Da muss man sich gar nicht auf unbestimmte Bauchgefühle und Persohneneinschätzungen Unbekannter einlassen (obwohl meine Bauchgefühle und Einschätzungen das selbe sagen).
    Es ist einfach Systemisch durch die Geschäftsmodelle bedingt.

    Datenschutz:

    Google Ads werden im gesamten Internet geschaltet, damit Sie funktionieren braucht Google Userdaten, aber das genannte Geschäftsmodell funktioniert ganz hervorragend mit annonyminsierten Daten. In Anbetracht möglicher Datenpannen und der bereits vorhandenen großen Angst der User vor Datenverlust sind Sie sogar gut beraten sich die größt mögliche Mühe bei der annonymisierung zu geben um Ihr vorhandenes Geschäftsmodell nicht zu gefährden.

    Facebook hingegen will alle Inhalte und User in Ihren walled Garden bringen. Egal wie groß Facebook auch werden mag, es bleibt immer kleiner als “das Internet” um mit Google konkurrieren zu können MUSS Facebook Userdaten wesentlich direkter an Dritte verkaufen, um bei kleinerer erreichter Menge an Usern den selben Werbeeffekt und Anzeigenumsatz/Wert zu erzeugen.

    Eigene Kontrolle über Daten:
    Google Adds gibt es überall… Dann nimm halt Deine Daten mit in den Dienst eines Konkurrenten… so what!? Auch die Seite des Google Konkurrenten wird von Google gecraewled (außer es handelt sich um Facebook) und mit Google Ads beworben. Google hat keinen Grund Uns die Kontrolle über Unsere Daten zu nehmen.
    Für Facebook ist die Zwangsbindung der User das A & O, sonst würde Ihnen unweigerlich das Myspace Schicksal drohen.

    Das könnte man jetzt noch viel weiter ausbreiten und im Detail beleuchten, aber ich glaube eben das es völlig wurscht ist wie moralisch/unmoralisch, gierig, oder integer Einzelpersonen in der Führung der jeweiligen Unternehmen sich verhalten, Facebook wird Uns immer abzocken und Google passiert das höchstens aus versehen, weil beide jeweils nur so weiter viel Geld verdienen können.

    Man könnte auch sagen, Google kann sich Geschäftsmodell bedingt Moral leisten und ist aus Image Gründen auch sehr gut beraten das zu tun, während bei Facebook Moralische Erwägungen und finanzielle Interessen zwangsweise im Dauerkonflikt stehen..

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Danke! Dass Förderung von offenem Netz (und “Trust”) zu Google’s Geschäftsgrundlage gehört, habe ich vor ein paar Jahren schon mal selbst gebloggt.

      Und Du hast sicherlich recht, dass man kein Bauchgefühl “braucht”, um diese Bewertung vorzunehmen. Ich habe trotzdem ganz bewusst über GEFÜHLE geredet, weil Vertrauen nicht rational begründet ist.

      Tatsächlich gibt es – sehr glaubhafte – Untersuchungen darüber, dass nahezu keine Entscheidung rational ist, sondern Menschen nahezu jede Entscheidung “aus dem Bauch” (also spontan und ohne bewußten Denkvorgang) treffen. Die ganzen Begründungen, mit denen wir unsere Entscheidungen unterlegen, sind typischerweise nachträgliche “Rationalisierungen” und keine Beschreibungen eines tatsächlich in unserem Gehirn stattgefundenen Prozesses ;-)  

      (Aus der Rubrik “Nutzloses Allgemeinwissen, das höchsten am Rande zur Diskussion beiträgt”).