Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg

Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg (Quelle: Peter Weis; Wikipedia)

In den letzten Tagen war bei den Online-Bekannten, deren Äußerungen per Blog und Twitter ich so folge, eine wachsende Verwirrung und Verzweiflung in Sachen Karl-Theodor von und zu Guttenberg zu spüren. Wie ist es möglich, dass ein ertappter Schummler und Lügner eine solche Fangemeinde mobilisieren kann? Wie kann es sein, dass andere Menschen, die man kennt und schätzt, seine Lügen als Petitesse abtun und keinerlei Zweifel an seiner Eignung als Bundesminister haben? Und wie kann es sein, dass die Bewertung dieser Causa quer durch politische Lager so unterschiedlich ausfällt, dass konservative Kommentatoren seinen Rücktritt fordern und SPD-Wähler ihn begeistert unterstützen? Die Erklärung dafür ist mir auch schwer gefallen, aber sie liegt eigentlich auf der Hand. Sie hat viel damit zu tun, welche Art Führer sich “die Menschen da draußen im Lande” heute wünschen. Und wer das nicht versteht, versteht nicht, wie Politik Anfang des 21. Jahrhunderts funktioniert; in Deutschland und anderswo.

Schein und Sein

Freiherr von und zu Guttenberg (der Jüngere) ist ein Phänomen: in nicht einmal 10 Jahren hat er eine kometenhafte Karriere in der deutschen Politik hingelegt und wird nun – noch keine 40 – als potentieller Bundeskanzler gehandelt. Wer sich seinen Werdegang etwas genauer ansieht, wird feststellen, dass er in keiner seiner bisherigen Positionen in der Partei oder in einem öffentlichen Amt nennenswertes bewegt hat – trotzdem sehen in seine Fans als pragmatischen und erfolgreichen Machertyp. Seine Ansichten und Überzeugungen können sich in wenigen Monaten – manchmal Wochen – ändern, trotzdem halten ihn die meisten Menschen im Lande für gradlinig und konsequent. Er ist Karrierepolitiker ohne berufliche Erfahrungen oder gar Meriten vor Beginn seiner Politkarriere und tritt doch überzeugend als Anti-Politiker auf. Er hat beim Erwerb des einzigen selbst-”erarbeiteten” Titels, den er tragen darf, geschummelt und gelogen und doch ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Würden wir in Deutschland den Bundeskanzler direkt wählen, bekäme er vermutlich aus dem Stand eine absolute Mehrheit.

Wie kann das sein?

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Menschen treffen Entscheidungen (und Bewertungen anderen Menschen gehören dazu) nicht rational sondern intuitiv. Sie lieben Guttenberg und wünschen sich jemanden wie ihn als Führer. Wen wir lieben, dem verzeihen wir “kleine Fehler” – und welche Fehler “klein” sind, entscheidet unser Herz, nicht unser Hirn. Geliebt wird Guttenberg, weil er die Wünsche der Menschen nach Einfachheit in einer immer komplexeren Welt bedient und zugleich die “ich bin wie ihr” Karte erfolgreich spielt. Dass er bei einem Betrug erwischt wurde, das zugibt und dann lässig abperlen lässt, macht ihn sogar noch sympathischer.

Denn … die Mehrheit der Menschen bricht immer wieder einmal Regeln, Gesetze oder moralische Vorschriften. Es ist aber unangenehm sich deshalb als schlechter Mensch zu fühlen. Das Argument “Aber das tun doch Alle” entwertet die Regel, verniedlicht den Gesetzesbruch und lässt einen wieder gut schlafen. Steuerhinterziehung und Versicherungsbetrug, Geschwindigkeitsübertretungen, Fahren unter Alkohol etc. sind hier die Klassiker. Das Phänomen lässt sich gut bei Kindern beobachten. Macht man sie auf einen Regelbruch aufmerksam, ist die beliebteste Verteidigung auf jemand anderen zu verweisen, der entweder die selbe Regel gebrochen oder etwas “noch viel schlimmeres” getan hat.

Gutti hat geschummelt? Geil, dann brauche ich mich auch nicht mehr zu schämen.

Politiker wie du und ich

In vergangenen Epochen war es in einer Vielzahl von Kulturen üblich, die politische Führerschaft zu verklären, zu idealisieren. Das gehörte zur Legitimation von Führung. Könige und der Adel waren selbstverständlich etwas “Besseres”. Aber auch im 20. Jahrhundert gehörte es zum Idealbild des politischen Führers dazu, moralisch, intellektuell, vielleicht monetär und von der Bildung her “über dem Volk” zu stehen. Das ist vorbei. Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob es gesellschaftliche Klassen gibt. Zu den nahezu universellen Grundsätzen der westlichen Kultur gehört die Überzeugung, dass es sie nicht geben darf. Unsere Kultur ist in weiten Bereichen anti-elitär und anti-intellektuell. Wer das nicht kapiert, wird öffentlich nur schwer reüssieren können.

Die Angriffe von Berufsintellektuellen machen von und zu Guttenberg deshalb nur stärker. Dann die haben “die Menschen da draußen” eh gefressen. Wer seine Intelligenz oder seine Bildung, moralischen Anspruch oder auch nur die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung raushängen lässt, macht sich in weiten Kreisen des Volkes schnell unbeliebt.

Erfolgreiche Politiker haben das gelernt. Sie kennen die Gefahr, sich durch “Herausragen” von ihrem Wahlvolk zu entfremden und verstehen es, sich als Mann/Frau des Volkes zu präsentieren. Es kann dabei unvermeidliche Brüche geben, die mit Geld und Prestige zu tun haben. Diese können aber durch Angleichung in Details überbrückt werden: Marotten, volkstümlicher Geschmack bei Essen, Trinken, Freizeitgestaltung und Medienkonsum. Siehe auch Gerhard Schröders gelegentlich etwas prolliges Gehabe – auch noch, als er längst Brioni trug.

So ist der moderne, populistische Politiker kein Vorbild mehr, dem es nachzueifern gilt sondern die Bestätigung, dass man so, wie man ist … OK ist! Und das macht beliebt, nicht nur in Deutschland.

Beispiel Berlusconi

Silvio Berlusconi

Silvio Berlusconi - Italienischer Ministerpräsident (Quelle: Wikipedia; rechtefrei)

Ein schönes Beispiel ist Herr Berlusconi. Jeder weiß zwar, dass der nur mit Bestechung, Günstlingswirtschaft – und eventuell Schlimmerem – an der Macht bleiben konnte, und ein schmuddeliger alter Lustmolch ist, der sich gerne kleine Mädchen zuführen lässt. Aber das tut seiner Beliebtheit im italienischen Wahlvolk nicht wirklich weh. Dazu trägt nicht nur bei, dass er die italienischen Medien kontrolliert.

Tatsächlich ist es ja so, dass in vielen Kulturen auf der Welt schwierig ist, ohne Bestechungen und Günstlingswirtschaft Erfolg zu haben (Italien gehört wohl leider dazu). Und, dass alte Männer gelegentlich einen lächerlichen Hang zu jungen Mädchen haben, ist nichts Neues. Wenn Berlusconi die entsprechenden Straftaten begeht, legitimiert er damit die Träume – und gelegentlich Taten – seiner Wähler.

Beispiel Sarah Palin

Sarah Palin

Sarah Palin; US-Politikerin der Republikaner (Quelle Wikipedia; rechtefrei)

Sarah Palin – vermutlich irgendwann einmal Präsidentschaftskandidatin in den USA – ist nicht wirklich dumm – aber sicherlich keine intellektuelle Überfliegerin und nach allem, was man über ihre Äußerungen so liest, sicherlich nicht mit großem Allgemeinwissen beschlagen. Wer sich über ihre Versprecher und ihr Halbwissen mokiert, versteht nicht, wie das bei ihren Anhängern ankommt.

Viele Amerikaner haben Mühe, Nordamerika auf dem Globus zu finden, geschweige denn Libyen. Wer sie auf ihre mangelnde Allgemeinbildung aufmerksam macht, wird keine Sympathien ernten, sondern vehementen Widerspruch. Und sie sehen sich angegriffen, wenn jemand solche Schwächen bei Sarah Palin angreift – eine von ihnen! Dass Palin, die “guten alten Werte” hochhält, inklusive Enthaltsamkeit vor der Ehe und strenge Erziehung, selbst aber eine Tochter hat, die als Kind schwanger wurde … who cares? So etwas passiert auch in den Familien ihrer Wähler – und macht sie nur sympathischer.

Gegenbeispiel Margot Käßmann

Margot Käßmann

Margot Käßmann; ehemalige Ratsvorsitzende der EKD (Quelle: Wikipedia; rechtefrei)

Das “ein gutes Vorbild sein” beim Volk nur noch schwer vermittelt werden kann, zeigt der Fall Margot Käßmann aus dem letzten Jahr. Die trat zügig von ihrem Posten als EKD-Ratsvorsitzende zurück, nachdem sie volltrunken am Steuer eines Autos angetroffen wurde. Ihre politischen Gegner fanden das toll, einige Feuilletonisten auch, aber viele “Menschen draußen im Lande” hielten das schon für ein bisschen übertrieben.

Sollte ihr Rücktritt etwa andeuten, dass sie es tatsächlich für verwerflich hielt, volltrunken Auto zu fahren. Unangenehme Idee. Als Politikerin hätte sie sich mit einem solch “vorwurfsvollen” Verhalten disqualifiziert.

 

von und zu Guttenberg als Ideal des zeitgemäßen Politikers

Ich will nun “Gutti” nicht mit Berlusconi gleich setzen. Aber die Mechanismen, die ihm oder Politikern wie Sarah Palin (oder George W. Bush) zu anhaltender Beliebtheit und quasi Unangreifbarkeit verholfen haben, sind ähnliche. Er ist das Ideal eines zeitgemäßen Politikers. Man hätte ihn am Reißbrett kaum besser entwerfen können. Na, ja, vielleicht ohne adelige Herkunft (siehe Elite) und eine Kleinigkeit weniger arrogant. Aber der Rest ist schon perfekt. Politiker dieser Ausprägung werden in den kommenden Jahren immer mehr Erfolg haben.

Darüber kann man lange lamentieren. Es bringt aber nichts. Die politische Kultur hat sich nun einmal gewandelt und ich denke nicht, dass sich diese Entwicklung mit flammenden Leitartikeln (oder gar Blogposts) umkehren lassen wird.

In eigener Sache: Ein paar Stunden, nachdem ich diesen Post online gestellt hatte, kommentierte bei mir Max Steinbeis, Autor des renommierten verfassungsblog.de und machte mich dezent darauf aufmerksam, dass ich doch bitte auf meine Quellen hinweisen möge. Ich war zunächst etwas verwundert, suchte daraufhin aber den verfassungsblog.de auf und fand sofort einen Artikel namens Guttenberg und das anti-elitäre Ticket. In diesem Artikel wird der Ansatz “politischer Erfolg durch anti-elitäres, anti-intellektuelles Image” ähnlich wie in meinem Text verfolgt und es werden auch die Beispiele Palin, Berlusconi und Bush erwähnt. Das ist kein Zufall. Zwar ist die Kraft des anti-intellektuellen Habitus andernorts schon länger für Protagonisten wie Bush und Palin postuliert worden. Die Idee, Guttenberg hier einzureihen habe ich aber scheinbar tatsächlich diesem Artikel entnommen, den ich, soweit ich das heute nachvollziehen kann, am 21.2.2011 gelesen habe. Ob man mir das nun glauben mag oder nicht: ich war mir dieser Tatsache beim Schreiben meines eigenen Textes in den frühen Morgenstunden des 24.2. nicht bewußt. Das ist – gerade in diesem Kontext – selbstverständlich extrem peinlich und der GAU an sich. Ich hoffe, dass es einigermaßen plausibel ist, dass ich das nicht absichtlich und/oder bewußt gemacht habe. Als erfahrener Internetti ist mir natürlich klar, dass so etwas im Zeitalter von Google, Facebook und Twitter auffallen MUSS. Ich habe mich umgehend bei Max Steinbeis entschuldigt und ihm auch die Löschung dieses Artikels angeboten. Das wollte er nicht, weshalb ich ihn hier – auch als mahnendes Beispiel für mich selbst – stehen lasse.

  • PickiHH

    Waren Politiker denn überhaupt jemals Vorbilder? (bis auf wenige Ausnahmen)

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Ob sie das waren, weiß ich nicht. Es gab allerdings solche Vorbilder und ich denke, das Selbstbild der Elite war es, solche Vorbilder zu stellen. Und zumindest bürgerliche Kreise haben diese m.E. auch so gesehen: als Vorbilder und Leitfiguren.

      Der Anspruch, dass Politiker, oder andere exponierte Persönlichkeiten, möglichst “wie wir” sein sollen, ist eine relativ junge Entwicklung. Ich will das gar nicht mal bewerten. Zu einer Elite aufzuschauen ist auch eine Haltung, die ich nicht wirklich sympathisch finde. Aber ich bin altmodisch genug, um mir Vorbilder zu wünschen :)

  • PickiHH

    Waren Politiker denn überhaupt jemals Vorbilder? (bis auf wenige Ausnahmen)

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Ob sie das waren, weiß ich nicht. Es gab allerdings solche Vorbilder und ich denke, das Selbstbild der Elite war es, solche Vorbilder zu stellen. Und zumindest bürgerliche Kreise haben diese m.E. auch so gesehen: als Vorbilder und Leitfiguren.

      Der Anspruch, dass Politiker, oder andere exponierte Persönlichkeiten, möglichst “wie wir” sein sollen, ist eine relativ junge Entwicklung. Ich will das gar nicht mal bewerten. Zu einer Elite aufzuschauen ist auch eine Haltung, die ich nicht wirklich sympathisch finde. Aber ich bin altmodisch genug, um mir Vorbilder zu wünschen :)

  • Jens Kretschman

    Warum haben die Menschen solch ein Bild von ihm? Weil die Bild nicht gegen ihn schießt! Jeder liest die Bild … zumindest die erste Seite beim Bäcker! Da wird vuzGuttenberg nicht “fertig” gemacht. Warum? Weil er ein guter ist … für die Bild … http://bit.ly/h5qsSC

    Das mag jetzt nicht 100%ig korrekt sein … aber ich find’s lustig und ihn trotzdem noch ganz gut in meinem Herzen.

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien, denke aber, dass es tatsächlich einen – vielleicht nur unausgesprochenen – Deal zwischen Bild und vuz Guttenberg gibt. Der läuft so nach der Art “Wir helfen Dir auf dem Weg zum Bundeskanzler und du – und deine hübsche Frau – gibst dich immer wieder für auflagensichernde Stories her”. So direkt, wie der von dir verlinkte Artikel das Geben und Nehmen beschreibt muss das gar nicht laufen.

      Ich glaube aber, dass dieser Deal Folge nicht Ursache seiner Popularität ist. Bild ist immer volksig = spricht das aus, was die Mehrheit ihrer Leser fühlt denkt. Die Redakteure verstärken das, aber im Kern nehmen sie Strömungen auf, die existieren. … was mich als Erklärung manchmal noch trauriger macht, als die Annahme einer “Verschwörung der Springerpresse”.

  • Jens Kretschman

    Warum haben die Menschen solch ein Bild von ihm? Weil die Bild nicht gegen ihn schießt! Jeder liest die Bild … zumindest die erste Seite beim Bäcker! Da wird vuzGuttenberg nicht “fertig” gemacht. Warum? Weil er ein guter ist … für die Bild … http://bit.ly/h5qsSC

    Das mag jetzt nicht 100%ig korrekt sein … aber ich find’s lustig und ihn trotzdem noch ganz gut in meinem Herzen.

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien, denke aber, dass es tatsächlich einen – vielleicht nur unausgesprochenen – Deal zwischen Bild und vuz Guttenberg gibt. Der läuft so nach der Art “Wir helfen Dir auf dem Weg zum Bundeskanzler und du – und deine hübsche Frau – gibst dich immer wieder für auflagensichernde Stories her”. So direkt, wie der von dir verlinkte Artikel das Geben und Nehmen beschreibt muss das gar nicht laufen.

      Ich glaube aber, dass dieser Deal Folge nicht Ursache seiner Popularität ist. Bild ist immer volksig = spricht das aus, was die Mehrheit ihrer Leser fühlt denkt. Die Redakteure verstärken das, aber im Kern nehmen sie Strömungen auf, die existieren. … was mich als Erklärung manchmal noch trauriger macht, als die Annahme einer “Verschwörung der Springerpresse”.

  • http://edomblog.wordpress.com/ edomblog

    Klar sind die Bürger mit Guttenberg „zufrieden“. Der stellt schließlich keine unbequmen Anforderungen an die meisten Bürger. Und jetzt erst recht nicht mehr. Er läßt wirklich allen ihren privaten Frieden.

    Keine (verbindlichen) Erwartungen (mehr) zu stellen ist das eine. Unser Gemeinwesen lebt aber davon, was wir uns gegenseitig abfordern!

    Politiker haben Forderungen zu vertreten und Forderungen zu erhebenk, zu begründen und zu vermitteln. Vor allem muss Politik mehr und besser erklärt werden.

  • http://edomblog.wordpress.com/ Christian Edom

    Klar sind die Bürger mit Guttenberg „zufrieden“. Der stellt schließlich keine unbequmen Anforderungen an die meisten Bürger. Und jetzt erst recht nicht mehr. Er läßt wirklich allen ihren privaten Frieden.

    Keine (verbindlichen) Erwartungen (mehr) zu stellen ist das eine. Unser Gemeinwesen lebt aber davon, was wir uns gegenseitig abfordern!

    Politiker haben Forderungen zu vertreten und Forderungen zu erhebenk, zu begründen und zu vermitteln. Vor allem muss Politik mehr und besser erklärt werden.

  • Pingback: mediaclinique | ralf schwartz

  • Max Steinbeis

    Na, Kollege? Wäre es nicht vielleicht richtig – grad bei dem Thema – auf Ihre Quellen hinzuweisen?

    • Markus Breuer

      Lieber Herr Steinbeis, ich habe das – quasi mit dem Kopf unter dem Arm – nachgeholt (siehe oben). Das war gerade bei diesem Thema wirklich der denkbar dickste Gau, den ich da gebracht habe :( Peinlich. Vielen Dank, dass Sie so großzügig waren, mein Angebot zur Löschung nicht anzunehmen und ich den Text als Warnung an mich selbst stehen lassen kann.

  • André

    Es ist ein anderer Mechanismus. Alles zentriert sich derzeit um seine Person. Niemand zum Beispiel macht den Vorwurf der Kanzlerin, die ihn nicht sofort entlassen hat, obwohl die Fakten klar waren oder seiner Fraktion, die das mitträgt. Er achtet in seiner Kommunikation darauf, dass er immer der Akteur ist. Und seine Kritiker erwarten ein Handeln von ihm. Die Opposition bekniet ihn von seinem Amt *zurückzutreten*, lobt ihn, appeliert an *seine* moralischen Werte. Er *bittet* die Uni Bayreuth um Rücknahme seines Titels. Die Kanzlerin stellte sodann fest, die Uni habe *seinem* Wunsch entsprochen, so als würde ihn das bestätigen. In Wahrheit hätte er schon am Mittwoch vor einer Woche unverzüglich aus dem Amt entfernt werden müssen aufgrund der Faktenlage. Der fortdauernde Skandal und die immer unerhörtere Faktenlage liegt daran, dass er sich abstrus verhält statt normal. Es gibt in “Thank you for smoking” diese geniale Szene wo sein Sohn zum Lobbyisten sagt: aber deine Argumente überzeugen mich nicht. Und der Lobbyist antwortet, er sei nicht dabei ihn zu überreden sondern “die anderen”. Genauso war die Vorstellung von Guttenberg im Parlament. Absolut unglaubwürdig, aber mit Fernwirkung. Er hat im Parlament vorgeführt, dass er ein Fälscher ist. Wie der sich hinstellt und sich selbst dafür lobt, dass er sich entschuldigt habe. Usw. Das war eine unglaubliche Provokation, eine Charakterlosigkeit.

  • André

    Es ist ein anderer Mechanismus. Alles zentriert sich derzeit um seine Person. Niemand zum Beispiel macht den Vorwurf der Kanzlerin, die ihn nicht sofort entlassen hat, obwohl die Fakten klar waren oder seiner Fraktion, die das mitträgt. Er achtet in seiner Kommunikation darauf, dass er immer der Akteur ist. Und seine Kritiker erwarten ein Handeln von ihm. Die Opposition bekniet ihn von seinem Amt *zurückzutreten*, lobt ihn, appeliert an *seine* moralischen Werte. Er *bittet* die Uni Bayreuth um Rücknahme seines Titels. Die Kanzlerin stellte sodann fest, die Uni habe *seinem* Wunsch entsprochen, so als würde ihn das bestätigen. In Wahrheit hätte er schon am Mittwoch vor einer Woche unverzüglich aus dem Amt entfernt werden müssen aufgrund der Faktenlage. Der fortdauernde Skandal und die immer unerhörtere Faktenlage liegt daran, dass er sich abstrus verhält statt normal. Es gibt in “Thank you for smoking” diese geniale Szene wo sein Sohn zum Lobbyisten sagt: aber deine Argumente überzeugen mich nicht. Und der Lobbyist antwortet, er sei nicht dabei ihn zu überreden sondern “die anderen”. Genauso war die Vorstellung von Guttenberg im Parlament. Absolut unglaubwürdig, aber mit Fernwirkung. Er hat im Parlament vorgeführt, dass er ein Fälscher ist. Wie der sich hinstellt und sich selbst dafür lobt, dass er sich entschuldigt habe. Usw. Das war eine unglaubliche Provokation, eine Charakterlosigkeit.

  • http://edomblog.wordpress.com/ edomblog

    Guttenberg stellt überhaupt keine unbequmen Anforderungen an die Menschen, auch nicht an die Eliten.

    Sogesehen ruht er sich auf dem Rücken der Soldaten an der Front in Afghanistan auf.

  • http://edomblog.wordpress.com/ Christian Edom

    Guttenberg stellt überhaupt keine unbequmen Anforderungen an die Menschen, auch nicht an die Eliten.

    Sogesehen ruht er sich auf dem Rücken der Soldaten an der Front in Afghanistan auf.

  • philipp

    komischerweise schreien aber auch mengen an guttenberg-gegnern derzeit: “nieder mit den eliten!” sehr gefährlich…

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Der Begriff “Elite” ist ein komplexer und sicherlich diskussionswürdiger. Wie eine Gesellschaft mit Eliten umgeht, ist wichtig. Wobei als Erstes sicherlich immer zu fragen ist: “Wen meinst Du damit genau?”

      Ich denke, kaum jemand wird heutzutage noch für eine selbsternannte (oder geborene) Elite plädieren. Ich halte es aber auch für schwierig, grundsätzlich zu verneinen, dass manche Menschen (ob angeboren oder erworben) anders sind als andere, gewisse Dinge besser können etc.

      In unserer demokratischen Kultur hat sich über viele Jahrzehnte hinweg ein Trend ausgebildet, der in weiten Kreisen der Bevölkerung zu einer anti-elitären und auch anti-intellektuellen Haltung geführt hat. Einzige Ausnahme sind schöne Frauen (die idealerweise aber bitte doof sein sollen) und Sportler. Letztere werden vermutlich deshalb akzeptiert, weil sich mancher an die eigenen Heldentaten auf dem Fußballplatz erinnert. Ansonsten wird “Elite” mit dem Anwurf “du hältst dich wohl für was Besseres?” abgelehnt.

      Paradoxerweise wird dieser Trend gerade von der faktisch existierenden politischen und wirtschaftlichen Elite genutzt (siehe: sich kumpelig anwanzende Politiker und gewollt prollige Werbung).

      Ich denke, es gibt auch einen sinnvollen Elite-Begriff: Menschen, die man wegen unterschiedlicher Eigenschaften bewundert und denen man vielleicht nacheifert – ohne sie dabei zu vergöttern. Das hat oft mit dem mehr akzeptierten (weil weniger wertenden Begriff) “Exzellenz” zu tun. Solche Vorbilder können durchaus gebrochene Persönlichkeiten sein: Vorbild in einer Hinsicht, fehlhaft in anderer. Ich würde niemals zu einem Menschen kritiklos aufschauen, auch dann nicht, wenn ich ihn/sie in einer Hinsicht für das Mitglied einer “Elite” halte. Aber es gibt sicherlich Menschen, die mir in vielerlei Hinsicht überlegen sind und zu denen ich – in dieser einen Hinsicht – aufschaue. Ob ich diese Menschen in einer Leadership-Rolle für mich akzeptieren würde, ist unterschiedlich.

      Bei vuz Guttenberg sehe ich beispielsweise unter anderem hohe Intelligenz, Charme, Cleverness, rhetorische Gewandtheit und ein ausgeprägtes politisches Talent. Das alles sind Eigenschaften, die ich bewundere und von denen ich mir mehr wünsche. Ich würde ihm aber nicht gerne “folgen” oder ihn Entscheidungen für mich treffen lassen. Dazu mangelt es ihm m.E. an Integrität und Authentizität.

  • philipp

    komischerweise schreien aber auch mengen an guttenberg-gegnern derzeit: “nieder mit den eliten!” sehr gefährlich…

    • http://notizen.steingrau.de Markus Breuer

      Der Begriff “Elite” ist ein komplexer und sicherlich diskussionswürdiger. Wie eine Gesellschaft mit Eliten umgeht, ist wichtig. Wobei als Erstes sicherlich immer zu fragen ist: “Wen meinst Du damit genau?”

      Ich denke, kaum jemand wird heutzutage noch für eine selbsternannte (oder geborene) Elite plädieren. Ich halte es aber auch für schwierig, grundsätzlich zu verneinen, dass manche Menschen (ob angeboren oder erworben) anders sind als andere, gewisse Dinge besser können etc.

      In unserer demokratischen Kultur hat sich über viele Jahrzehnte hinweg ein Trend ausgebildet, der in weiten Kreisen der Bevölkerung zu einer anti-elitären und auch anti-intellektuellen Haltung geführt hat. Einzige Ausnahme sind schöne Frauen (die idealerweise aber bitte doof sein sollen) und Sportler. Letztere werden vermutlich deshalb akzeptiert, weil sich mancher an die eigenen Heldentaten auf dem Fußballplatz erinnert. Ansonsten wird “Elite” mit dem Anwurf “du hältst dich wohl für was Besseres?” abgelehnt.

      Paradoxerweise wird dieser Trend gerade von der faktisch existierenden politischen und wirtschaftlichen Elite genutzt (siehe: sich kumpelig anwanzende Politiker und gewollt prollige Werbung).

      Ich denke, es gibt auch einen sinnvollen Elite-Begriff: Menschen, die man wegen unterschiedlicher Eigenschaften bewundert und denen man vielleicht nacheifert – ohne sie dabei zu vergöttern. Das hat oft mit dem mehr akzeptierten (weil weniger wertenden Begriff) “Exzellenz” zu tun. Solche Vorbilder können durchaus gebrochene Persönlichkeiten sein: Vorbild in einer Hinsicht, fehlhaft in anderer. Ich würde niemals zu einem Menschen kritiklos aufschauen, auch dann nicht, wenn ich ihn/sie in einer Hinsicht für das Mitglied einer “Elite” halte. Aber es gibt sicherlich Menschen, die mir in vielerlei Hinsicht überlegen sind und zu denen ich – in dieser einen Hinsicht – aufschaue. Ob ich diese Menschen in einer Leadership-Rolle für mich akzeptieren würde, ist unterschiedlich.

      Bei vuz Guttenberg sehe ich beispielsweise unter anderem hohe Intelligenz, Charme, Cleverness, rhetorische Gewandtheit und ein ausgeprägtes politisches Talent. Das alles sind Eigenschaften, die ich bewundere und von denen ich mir mehr wünsche. Ich würde ihm aber nicht gerne “folgen” oder ihn Entscheidungen für mich treffen lassen. Dazu mangelt es ihm m.E. an Integrität und Authentizität.

  • Pingback: Geständnis: Ich bin Guttenbergs Ghostwriter!

  • Meermaid

    danke welch ein erfrischender Aufsatz. Ich hatte die Hoffnung schon langsam aufgegeben. Aber SIE gehören ja auch nur zu der abgehobenen kleinen Minderheit, die aus der Mode gekommen ist. Mann/Frau lassen Sie uns doch unseren Spaß! ;-)

  • Meermaid

    danke welch ein erfrischender Aufsatz. Ich hatte die Hoffnung schon langsam aufgegeben. Aber SIE gehören ja auch nur zu der abgehobenen kleinen Minderheit, die aus der Mode gekommen ist. Mann/Frau lassen Sie uns doch unseren Spaß! ;-)

  • Meermaid

    Die Elitendiskussion verstehe ich gar nicht. Gehört denn Guttenberg einer Elite an, und dann frage ich WELCHER. Der selbstgeschaffenen. Es geht doch nur darum, dass Moral und Anstand den Bach runtergehen, und dass das keinen pig (excuse me pigs) mehr stört. Und das ist ganz unabhängig von oben und unter, bitte sehr! Niemals hätte dieser Mann sein makellos glänzendes Image erreicht, wenn ihn die sogenannte Elite nicht voll und ganz dort hin katapultiert hätte, wo er jetzt ist, ganz oben. Aber ist das schon Elite. Wir haben zweifellos eine Elite in Deutschland, die sich selber so klassifiziert, weil sie Privilegien für sich geschaffen haben, wie zu Fürstenzeiten. Das wird uns ja auch in diversen Studien bescheinigt.

  • Meermaid

    Die Elitendiskussion verstehe ich gar nicht. Gehört denn Guttenberg einer Elite an, und dann frage ich WELCHER. Der selbstgeschaffenen. Es geht doch nur darum, dass Moral und Anstand den Bach runtergehen, und dass das keinen pig (excuse me pigs) mehr stört. Und das ist ganz unabhängig von oben und unter, bitte sehr! Niemals hätte dieser Mann sein makellos glänzendes Image erreicht, wenn ihn die sogenannte Elite nicht voll und ganz dort hin katapultiert hätte, wo er jetzt ist, ganz oben. Aber ist das schon Elite. Wir haben zweifellos eine Elite in Deutschland, die sich selber so klassifiziert, weil sie Privilegien für sich geschaffen haben, wie zu Fürstenzeiten. Das wird uns ja auch in diversen Studien bescheinigt.

  • Meermaid

    “hohe Intelligenz, Charme, Cleverness, rhetorische Gewandtheit und ein ausgeprägtes politisches Talent”

    wo denn das? Nur weil jemand einen guten Anzug trägt, sich gewandt auszudrücken vermag und sich gut in Szene setzen kann? Das ist wirklich absurd! Der Mann ist ein Blender, und nichts weiter. Da haben wir es, es hat nichts mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht zu tun, um auf den reinzufallen. Mein proletarischer Vater würde dazu sagen:
    Große Worte, und nichts dahinter!

    Und sein politisches Talent besteht ausschließlich darin, sich werbewirksam präsentieren zu können. Aber er hat jetzt in den letzten Tagen einige Schwächen diesbezüglich gezeigt. Ich glaube, der läßt die Maske fallen, wenn er wirklich in die Enge getrieben wird. Hoffentlich.

  • Meermaid

    “hohe Intelligenz, Charme, Cleverness, rhetorische Gewandtheit und ein ausgeprägtes politisches Talent”

    wo denn das? Nur weil jemand einen guten Anzug trägt, sich gewandt auszudrücken vermag und sich gut in Szene setzen kann? Das ist wirklich absurd! Der Mann ist ein Blender, und nichts weiter. Da haben wir es, es hat nichts mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht zu tun, um auf den reinzufallen. Mein proletarischer Vater würde dazu sagen:
    Große Worte, und nichts dahinter!

    Und sein politisches Talent besteht ausschließlich darin, sich werbewirksam präsentieren zu können. Aber er hat jetzt in den letzten Tagen einige Schwächen diesbezüglich gezeigt. Ich glaube, der läßt die Maske fallen, wenn er wirklich in die Enge getrieben wird. Hoffentlich.