Natürlich weil er von Apple kommt! ;-)

Spaß beiseite. Tatsächlich ist die Marke Apple inzwischen sicherlich ein wichtiges “Feature” für ein Hightech-Produkt, aber es gibt tatsächlich gute Gründe für die Annahme, dass die Idee des Tablet PC (oder Touch PC oder MediaPad oder wie auch immer man diese Kategorie letztendlich benennen wird) sich durchsetzen wird. Tatsächlich würde ich die Behauptung sogar noch etwas schärfer formulieren:

Der kommende Tablet PC von Apple wird nicht nur ein Riesenerfolg für die Firma werden. Er wird unser Verständnis eines mobilen PCs neu definieren und im Laufe der nächsten 3 Jahre zum Vorbild für alle neuen Geräte in diesem Marktsegment werden – wie es das iPhone heute für das Marktsegment der Smartphones ist.

Feuchter Traum eines unverbesserlichen Apple Fanboys? Könnte man meinen. Denn tatsächlich ist die Idee eines Tablet-PCs, bei dem die primären Eingabemedien nicht mehr Tastatur und Maus sind, sondern der Bildschirm diese Funktion mit übernimmt, schon mehr als einmal gescheitert. Es hat schon mindestens zwei (je nach Auslegung der Geschichte vielleicht auch drei) Generationen dieses Ansatzes gegeben. Ich selbst habe im Laufe meiner langen PC-Karriere zwei solcher Kisten mein Eigen genannt … und sie nach jeweils einem halben Jahr wieder ausgemustert. Diesmal wird es anders sein.

Warum ist die Situation jetzt eine andere?
Dass sich die Marktchancen für diese Geräteklasse dramatisch geändert haben, liegt nicht (allein) am Namen Apple. Dafür gibt es eine ganze Reihe von ganz sachlichen Gründen. Die wichtigsten sind

  • Handschrifterkennung wurde überbewertet
  • Ein Gerät für Alle Jobs gilt nicht mehr
  • Das Internet
  • Eine neue Zielgruppe

Handschrifterkennung
Bei den Versuchen, Tablet-PCs zu etablieren, spielte die Handschrifterkennung eine große Rolle. Teilweise wurde die Tastatur sogar als unnatürlich verteufelt und das Schreiben mit dem Stift als sozusagen natürlichste Form der Textgenerierung angepriesen. (Die bisherigen Tablet PCs basierten alle auf der Arbeit mit einem Stift – nicht dem Finger). Ob das so ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Fakt ist, dass Handschrifterkennung bis heute auf einem technischen Stand ist, der sich beeindruckend anhört (“98% Trefferquote”) in der Praxis aber extrem frustrierend ist. Das mag sich irgendwann einmal ändern. Heute ist es leider immer noch so. Die früheren Tablet PCs, bei denen Handschrifterkennung immer als eines der wesentlichen Features angepriesen wurde, waren allein deshalb zum Scheitern verdammt – außerhalb kleiner Nischen, wo kaum Texteingabe/erfassung nötig war.

Ein Gerät für alle Jobs
Selbstverständlich hätte man daraufhin sagen können: OK, dann nehmen wir doch den Tablet-PC für diese Aufgaben und für die restlichen Jobs einen klassischen PC oder ein Notebook. Leider aber waren PCs bis vor kurzem so teuer, dass sich die Idee, zwei oder drei für verschiedene Arbeiten zuzulegen, für die meisten Anwender (und Firmen) geradezu absurd anhörte. Die früheren Tablet PCs kamen deshalb immer auch mit dem Anspruch daher “One for All” zu sein, mussten eine Tastatur integrieren (siehe oben), Windows und die üblichen Office-Programme beherrschen, deshalb leistungsstark – und damit auch relativ groß – sein. Frustrierend war auch, dass diese recht teuren Geräte im Büroeinsatz typischerweise zu ganz normalen Laptops mutieren mussten. Selbst in den offiziell angepassten Versionen waren Windows und Office ohne Tastatur und Maus nie wirklich gut zu bedienen.

Die Kosten-/Nutzenrelation ist nun eine komplett andere. Zwischen 300 und 1000 EUR gibt es wunderbare PCs. Für den Betrag, den man noch vor wenigen Jahren für ein ordentliches Notebook anlegen musste, kann man jetzt tatsächlich drei oder vier Geräte kaufen. Einen für die schnöden Bürojobs, einen für den ganzen Rest.

Das Internet
Was man sogar auf den heute erhältlichen Tablet PCs relativ gut machen kann, ist … im Internet zu browsen. Informationen zu suchen (oder Unterhaltung zu genießen), Seiten zu durchblättern, gelegentlich mal ein Formular auszufüllen und eine kurze IM abzusetzen ist etwas Anderes als Texte, Grafiken, Präsentationen und Tabellen zu erstellen und zu bearbeiten, als in ERP-Programmen seinem (Büro-) Job nachzugehen etc. Tatsächlich ist ein Großteil der Interaktion mit dem PC heutzutage … im Internet browsen.

Eine neue Zielgruppe
Damit wären wir nun schon beim vierten und letzten Argument, warum die Zeit nun reif ist für den Tablet (Touch) PC: In der Vergangenheit waren die Unternehmen der größte und lukrativste Markt für die PC-Hersteller. Auch das hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert: schon heute werden die größte Stückzahlen (vor allem die preisgünstigen Modelle) in dem Heim- und Privat-Bereich verkauft. Der beliebteste Formfaktor ist hier schon länger das Notebook/Laptop – und in jüngster Zeit das Netbook.

Und was macht man mit diesen Geräten vorzugsweise (im Privatbereich)? Ganz einfach:

  • Im Internet browsen
  • Bilder und Videos ansehen
  • Spielen
  • Kommunizieren (Email, IM, Chat)

Die typischen Büroanwendungen, für die man eine schnelle und präzise Texteingabe und (für Korrekturen und grafische Darstellungen) präzise Steuerung und Bewegung auf dem Bildschirm braucht … nutzt der Privatanwender eher selten!

Ein Touch-Tablet ist der ideale PC für daheim
Und deshalb ist ein gut gemachter Tablet PC so ideal für dieses Segment (das langfristig weitaus größte) und sogar für viele Büroanwendungen. Er wird klein, (wird) relativ billig und ausreichend leistungsstark sein für die Arbeit mit einem modernen Browser, für Games (die keine hochgezüchtete 3D Grafik verlangen) und die digitale Kommunikation per Email, Chat, IM und Skype.

Er wird gut aussehen: flach und elegant. Deshalb wird man ihn nicht im Arbeitszimmer verstecken müssen sondern er wird auch auf dem Sofatisch (oder gleich auf dem Sofa) und am Frühstückstisch eine gute Figur machen.

Er wird ständig mit dem Internet verbunden sein und die Programme und Inhalte, die man mit ihm benutzt oder betrachtet, werden alle aus dem Internet kommen. Welcher Anwender hat schon Lust, Software zu installieren, upzudaten, zu konfigurieren?

Sein Betriebssystem und dessen Benutzeroberfläche werden extrem simpel und eigentlich kaum zu bemerken sein. Wer begeistert sich schon für Prozesse, Dateien und Ordner? Das aktuelle iPhone, Android und die ersten Snapshots von Google’s neuem ChromeOS  zeigen, wo es langgeht.

Kurz und gut: er wird das sein, was der Großteil der Leute wirklich haben will – auch, wenn sie es heute noch nicht wissen ;-)

Und warum von Apple?
Apple ist eine der wenigen Firmen, der ich es zutraue, ein solches Produkt mit der Perfektion und dem Sexappeal zu entwickeln und zu vermarkten, die unerläßlich sind, um  am Anfang das nötige Begehren beim Konsumenten auszulösen. Apple hat zudem eine Riesen-Fangemeinde, aus der sich die nötigen Early Adopter rekrutieren werden. Und Apple hat im iPhone AppStore zig Tausende von Programmen bereit, die für die Bedienung über einen berührungsempfindlichen Bildschirm optimiert sind.

Es spricht deshalb viel dafür, dass auch in diesem Markt die Erfolgsstory von iPod und iPhone wiederholen wird.

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