Da haben sich seine Leute aber die Worte des Bosses zu Herzen genommen. Erst am Donnerstag hat Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, die Preisblase im Internet beklagt und auf Firmenaufkäufe in diesem Umfeld dankend verzichtet. Stattdessen sollen die Konzernbereichen “eigene Startups gründen”. Wer das als Aufforderung verstanden haben sollte, neue Ideen ins Internet zu bringen, interpretiert das völlig falsch.

Denn heute berichtet der SPIEGEL

Der Erfolg der amerikanischen Website MySpace findet Nachahmer. [...] arbeitet nun auch der Medienkonzern Bertelsmann an der Entwicklung einer eigenen Variante nach dem Vorbild der Community-Plattform. [...] Ende dieser Woche wollen sich dazu Vertreter verschiedener Bertelsmann-Divisionen in Berlin treffen, darunter RTL und Sony BMG, um das von der zentralen Unternehmensentwicklung verantwortete Projekt möglichst zügig voranzutreiben.

Hmm … bei allem Respekt vor der sicherlich vorhandenen Kompetenz von Bertelsmann im Medienbereich – irgendwie erinnert das fatal an Bertelsmann Online, den Versuch, Amazon zu kopieren. Leider gibt es bei Anwendungstypen wie Amazon oder MySpace eine ungeheuer ausgeprägte First-Mover-Advantage – für Unternehmen in klassischen Märkten schwer zu verstehen.

Grundsätzlich ist es sicherlich nicht unmöglich, als zweiter (oder zehnter) am Markt zu erscheinen und damit erfolgreich zu sein, ggf. sogar erfolgreicher als “Der Erste”. In diesem Markt dürfte das aber extrem unwahrscheinlich sein. Und Bertelsmann ist mit dem Ansatz “das können wir doch auch” ja nicht einmal allein. Allein in Deutschland versucht Selbiges auch die T-Com (die bekanntermaßen auch alles (besser) kann) sowie zwei Dutzend weitere, mehr oder weniger zielgruppenspezifische Projekte. Da kann man nur sagen: Toi toi toi!

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  • http://www.helge.at helge

    es geht schon, man muss es “nur” sehr deutlich besser machen. siehe google im bereich websearch, maps und webmail.

  • http://www.moderne-unternehmenskommunikation.de Jörg Hoewner

    Ich denke, da kann man Google mit Social Networking nicht vergleichen. In SN-Plattformen investieren Nutzer eine Menge an Zeit und Herzblut und sind daher wesentlich weniger wechselwillig als wenn man mal eben eine andere Suchmaschinenadresse eintippt (E-mail-Dienste sind wieder spezieller).
    Ausserdem hängt der Erfolg eines SN-Anbieters von der Netzwerkgrösse ab, da gibt es also eine Hürde für Newcomer.
    Ich würde sagen, “Bertelsmann goes Napster, Part II”.