OK, OK, OK es ist schon ein paar Tausend Mal gesagt worden, aber … solange deutsche Unternehmen und Investoren nicht ein wenig von ihrem Sicherheitsbedürfnis ablegen, werden sie im Internet (und vergleichbar dynamischen, innovativen Geschäftsfeldern) immer nur unter “ferner liefen …” mitspielen.

Da lese ich doch gestern bei heise ein Zitat von Bertelsmann-Boss Gunter Thielen aus einem kommenden ZEIT-Interview. Thielen, ein gestandener und sehr erfolgreicher Unternehmer, laut heise:

“Wir stecken schon wieder mitten in einer Preisblase”, sagt Gunter Thielen in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit für die morgige Ausgabe. Sein Konzern habe in den vergangenen Tagen ein Unternehmen zum Kauf angeboten bekommen, das “einigen Zulauf, aber praktisch keine Umsätze” vorweisen konnte. Trotzdem hätten die Gründer “etwa 100 Millionen Euro” verlangt. Bertelsmann habe verzichtet. Stattdessen sollen Bereiche eigene Start-ups gründen und nicht fertige Unternehmen kaufen.

Das zu lesen ist bitter. Nicht die Absage an den Deal, sondern die Haltung dahinter. Dazu muss man verstehen, dass ich eigentlich ein großer Fan von Bertelsmann bin. In den 90ern habe ich das eine oder andere schöne Projekt mit der Firma gemacht und letztendlich waren es Projekte in der Phase der großen Bertelsmann/AOL Liebesaffäre, die mich auf den Internet-Zug gesetzt haben.

Aber der Konzern hat die fatale Neigung, in neue Geschäftsfelder ein- oder zweimal zu investieren (manchmal richtig groß) und sich “endgültig” daraus zurückzuziehen, wenn die ersten Versuche scheitern. Das war bei Anwendungssoftware so (schon in den 80ern), bei Portalen, Online-Shops, Games etc. etc. “Gebranntes Kind” und so. Das mag kaufmännisch alles solide sein. Bertelsmann ist ja nicht erfolglos. Aber auf Dauer wird man so den Anschluß verpassen – wie viele Unternehmen in Deutschland; große wie kleine. Obwohl selbst Thielen “weiß”:

Das Internet spiele eine große Rolle, da Bertelsmann wisse, “dass die Menschen mit dem Schwinden ihrer familiären Bindung neue Gemeinschaften suchen, vor allem im Internet. Da müssen wir dabei sein”.

Aber erst darauf zu warten, bis ein Geschäftsmodell erfolgreich wird und dann die “Bereiche eigene Start-ups gründen” zu lassen war – bei allem Respekt – in der Vergangenheit auch bei Bertelsmann nie eine wirklich erfolgreiche Strategie. Die wirklich kreativen, neuen Ansätze entstehen selten in großen Konzernen.

Bertelsmann ist da nicht allein. “Ooch, ist doch aller nur ein Hype … Da fallen wir nicht drauf rein.” heißt das Motto. Und das enthält sicherlich einen wahren Kern. Aus manchem Hype wird aber kurz darauf oder ein bisschen später ein richtiges Geschäft. Wenn man dann versucht, auf den Zug aufzuspringen, ist es unter Umständen ein bisschen spät. Dann gibt es schon die Marktführer und denen die Kunden wieder abspenstig zu machen ist hart, sehr hart. Auch das hat Bertelsmann einige Male erleben dürfen.

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