Martin Roell wirft im Zusammenhang mit den in der Medienlandschaft schon zu genüge ausgeweideten Problemen bei KarstadtQuelle den Begriff Kaufhaus, Reboot oder “einkaufen 2.0” in die Diskussion. Knackig. Einkaufen ganz neu überdenken, also. Klingt sexy. Und so schön radikal. Vielleicht nicht einfach, aber eben an der Zeit, wenn doch die alte Kaufhauskultur den Bach runtergeht, oder?

Tscha, und genau das ist das Problem mit der Firmenkultur in der Old Economy (die sich nach dem Platzen der Internet-Blase erst mal so richtig bestätigt fühlte). Neue Konzepte werden eben erst dann gesucht, wenn das Unternehmen vor dem Abgrund steht. Und dann müssen sie radikal sein. “2.0” und “reboot” und so. Der grundlegende Fehler ist aber, dass ein erfolgreiches Unternehmen nicht schon die ganze Zeit – gerade, wenn es erfolgreich ist – nach neuen Wegen sucht, seine Kernkompetenzen auszuleben. Ein klein bisschen herumexperimentieren mit Einkaufen 1.2, vielleicht, solange die Kohle fliesst? Siehe Spielkinder sind gut für’s Geschäft.

Was wäre, wenn Karstadt schon vor Jahren begonnen hätte, Malls (Einkaufspassagen) zu finanzieren? Auf der grünen Wiese oder auch nobel in der Innenstadt? Mit konzernbetriebenen Läden und anderen Mietern? Ob das ein Erfolg gewesen wäre? Keine Ahnung. Ausprobieren! Warum muss es immer der große Kracher sein, über den die Branche redet (wie die Starbucks-Koop)? Wieso nicht tausend kleine Experimente, um herauszukriegen, was bei den Leuten wirklich ankommt. Das weiß nämlich kein Marktforscher und kein Strategy-Consultant wirklich. Vielleicht erst einmal Einkaufen 1.2, 1.3, 1.3.2 und 1.7? Denn die Welt da draussen ändert sich – immer schneller. Siehe Technologischer Fortschritt und menschliches Maß.

Aber das will irgendwie nicht in die Köpfe der alt- (und neu-)gedienten Old-Economy-Bosse. Solange der Laden brummt, ruht man sich auf dem bewährten Business-Modell aus. Läuft doch? Läuft doch klasse! Wir sind doch Marktführer, oder? Und Experimente jetzt würden uns nur “die Zahlen” versauen. Ja – jetzt und in dieser Welt läuft es prächtig! Während die Kassen noch so erfreulich klingeln, ändert die Welt sich aber. Erst langsam und unmerklich. Und dann auf einmal ganz schnell. Bumm! Und dann muss 2.0 her – ganz schnell! Oder Notpakete.

3 Responses to KarstadtQuelle und das Beharren der Dinosaurier

  1. Martin Röll says:

    Nur damit wir uns da nicht misverstehen: Ich fordere keinen “reboot” und weiß nichtmal, ob der für Karstadt nützlich wäre. Ganz im Gegenteil: Ich teile Deine Aussagen zum Ausprobieren! Der “Reboot”-Gedanke kam mir einfach in den Sinn, als ich Richard Gleims Artikel gelesen hatte und ihn mit dem von smi verband. Mehr steckte da gar nicht hinter.

  2. Glaub’ ich. Mir ist nur – gerade bei diesem Begriff – aufgefallen, wann in der klassischen Unternehmenskultur typischerweise die Bereitschaft da ist, Neues zu wagen. Dann, wenn 2.0 gefragt ist. Und diese Haltung wird noch so manchen unbesiegbaren Riesen der Unternehmenselite zu Fall bringen.
    Auch für mich war nur der Begriff der Aufhänger. Keine Kritik an deinem Artikel.

  3. Gerald says:

    die old economy glaubt halt immer noch, dass die alten strukturen und denkweisen gelten wie eh und je und merkt zu langsam, dass die taktrate in unserer immer staerker technisierten welt schneller und schneller wird. ein wenig haette man sich ruhig bei der new economy abschauen duerfen. wer das nicht realisiert darf sich nicht wundern wenn er von hinten ueberholt wird. und wenn ich erst reboote, wenn das system abgestuerzt ist, dann bin ich vielleicht erst dann wieder oben wenn andere schon os3.0 installiert haben 😉

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